Bischöflich Münstersches Offizialat
Für die Katholische Kirche im Oldenburger Land

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Wertvolle historische Bücher im Offizialatsarchiv

Zeittafel zur Kirchengeschichte im Offizialatsbezirk Oldenburg

782

Der westfälische Herzog Widukind ruft zum Aufstand gegen die fränkische Eroberung des Sachsenlandes auf. Im sächsischen bzw. westfälischen Lerigau, der aus Teilen der heutigen Landkreise Vechta und Cloppenburg besteht, werden der Graf Emmig und der Priester Folkard getötet.

789

Am 8. November stirbt in Blexen (bei Nordenham) der hl. Willehad, ein angelsächsischer Missionar, der 787 zum ersten Bischof von Bremen geweiht worden war. Zu seinem Missionssprengel hatten unter anderem der sächsische Largau und die friesischen Gaue Rüstringen, Östringen und Wangerland gehört, also das heutige nördliche Oldenburger Land.

Zwei Kreuzfibeln

© Offizialat

Die ältesten Zeugnisse christlichen Glaubens im Oldenburger Münsterland sind zwei Kreuzfibeln aus dem frühen 9. Jahrhundert, die 1963 in einem altsächsischen Gräberfeld bei Drantum (Gemeinde Emstek) gefunden wurden.

851

Graf Waltbert, ein Enkel Widukinds, bringt die Reliquien des hl. Alexander von Rom nach Wildeshausen. Der schriftliche Bericht über die „Translatio Sancti Alexandri“ gehört heute zu den wichtigsten Quellen für die altsächsische Geschichte. Waltbert lässt in Wildeshausen eine Kirche erbauen, die er 872 mit reichem Grundbesitz im Lerigau ausstattet. In der Folgezeit entwickelt sich hier ein bedeutendes Kanonikerstift.

855

König Ludwig der Deutsche schenkt die „kleine Zelle“ Visbek mit allen ihr unterstellten Kirchen und Besitztümern dem Benediktinerkloster Corvey. Nach späterer Überlieferung war Visbek eine Gründung des sächsischen Adeligen Gerbert, genannt Castus, eines Schülers des hl. Liudger, des ersten Bischofs von Münster. Die zu Visbek gehörenden Kirchen lagen im Lerigau, im Hasegau (Löningen) und im Venkigau (Freren).

1077

Bischof Benno von Osnabrück sichert sich im Streit mit dem Kloster Corvey die Zehntrechte im nördlichen Teil seiner Diözese (dem heutigen Emsland und Oldenburger Münsterland). Corvey behält jedoch das Patronatsrecht über zahlreiche Kirchen in diesem Gebiet.

St.-Vitus-Kirche in Altenoythe

© Offizialat

Die St.-Vitus-Kirche in Altenoythe, einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Kirchenbauten im Oldenburger Münsterland, stand noch bis ins 18. Jahrhundert unter dem Patronat des Klosters Corvey.

1159

Die Bauern von Cappeln erhalten für die von ihnen errichtete Kirche das Recht der freien Pfarrerwahl. Dasselbe Privileg sichern sich 1187 auch die Bauern von Steinfeld. Die meisten anderen Pfarrkirchen in der Diözese Osnabrück sind jedoch Stiftungen kirchlicher oder adeliger Grundherren.

romanischer Taufstein in der St.-Bonifatius-Kirche

© Offizialat

Über diesem romanischen Taufstein in der St.-Bonifatius-Kirche in Neuenkirchen empfangen seit mehr als 800 Jahren Kinder das Taufsakrament.

1175

Graf Simon von Tecklenburg gründet ein Nonnenkloster in Essen an der Hase, das etwa zwanzig Jahre später infolge einer Brandkatastrophe nach Malgarten verlegt wird.

1252

Die Gräfin Jutta von Ravensberg verkauft zusammen mit ihrer Mutter Sophia und ihrem Mann Walram von Monschau ihr Erbe, die Herrschaft Vechta, an den Fürstbischof Otto von Münster.

1319

Durch einen Vergleich erlangen die Klöster des Johanniterordens in Friesland größere Selbständigkeit gegenüber der Ordenskomturei in Steinfurt. Zu diesen Klöstern gehört auch die Kommende Bokelesch im friesischen Saterland.

1400

Nach einer Fehde gelangt das bisher zur Grafschaft Tecklenburg gehörende Amt Cloppenburg als Kriegsbeute unter die Landesherrschaft des Fürstbischofs Otto von Münster. Fortan bilden die Ämter Meppen, Vechta und Cloppenburg das sogenannte Niederstift Münster, das aber kirchlich noch bis 1668 zur Diözese Osnabrück gehört.

1453

In der Stadt Vechta erhalten Augustinerinnen durch die Schenkung von Grundbesitz die Möglichkeit zur Errichtung eines Klosters, des Schwesternhauses Mariental.

gotischer Hochaltar in der St.-Johannes-Kirche

© Offizialat

Der 1457/58 geschaffene gotische Hochaltar in der St.-Johannes-Kirche in Molbergen ist ein kostbares Zeugnis des christlichen Glaubens der spätmittelalterlichen Menschen.

1527

Die lutherische Reformation beginnt sich in der Grafschaft Oldenburg und in der Herrschaft Jever durchzusetzen. Die alte Verbindung der dortigen Kirchen mit der Erzdiözese Bremen löst sich auf.

1543

Im Auftrag des Fürstbischofs Franz von Waldeck führt der Lübecker Superintendent Hermann Bonnus im Hochstift Osnabrück sowie im Niederstift Münster die Reformation ein. Davon sind auch sämtliche damals existenten 28 Pfarrkirchen in den heutigen Landkreisen Cloppenburg und Vechta betroffen.

Kanzel in der St.-Vitus-Kirche in Vestrup

© Offizialat

Die Kanzel in der St.-Vitus-Kirche in Vestrup (Gemeinde Bakum), die sich früher in der St.-Andreas-Kirche in Cloppenburg befand, wurde 1591 geschaffen und mit einem für die Reformation typischen Spruch versehen: „Verbum Domini manet in aeternum“ (Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit).

1548

Infolge des Schmalkaldischen Krieges sieht sich Fürstbischof Franz gezwungen, die Einführung der Reformation in seinen Territorien zu widerrufen. Mangels einer effektiven Kirchenaufsicht bleibt der konfessionelle Status des Niederstifts jedoch lange Zeit ungeklärt. Lutherisches Gedankengut setzt sich hier weitgehend durch; die Konvente der Kommende Bokelesch und des Schwesternhauses Mariental sterben aus.

1573

Mit der Publikation einer von Hermann Hamelmann verfassten Kirchenordnung erhält die Reformation in der Grafschaft Oldenburg eine rechtliche Grundlage.

1613

Ferdinand von Bayern, Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster, entsendet seinen Generalvikar Johannes Hartmann ins Niederstift Münster, um dieses Gebiet kraft seiner landesherrlichen Gewalt zum katholischen Glauben zurückzuführen. In den folgenden Jahren wird sukzessive fast das gesamte Seelsorgepersonal im Niederstift ausgewechselt. In Vechta wirken von 1615 bis 1627 die Jesuiten.

1630

Der Osnabrücker Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg gibt seiner Diözese eine Dekanatsverfassung und errichtet u. a. die Dekanate Cloppenburg und Vechta.

1642

Franziskaner aus Rheine lassen sich in Vechta nieder. Die Vechtaer Patres bilden in den folgenden anderthalb Jahrhunderten eine wichtige Stütze der Seelsorge in den Ämtern Vechta und Cloppenburg.

1648

Durch den Westfälischen Frieden wird die katholische Konfession in allen Pfarreien des Fürstbistums Münster bestätigt. In der Grenzgemeinde Goldenstedt entsteht das einzigartige „Simultaneum mixtum“, wonach der vom katholischen Pastor zelebrierte sonntägliche Gottesdienst von lutherischem Gemeindegesang begleitet werden konnte.

1650

Mit der „Capitulatio perpetua“ wird der konfessionelle Status der Kirchen im Fürstbistum Osnabrück festgeschrieben. Die Pfarrkirche in Damme wird den Katholiken, die in Neuenkirchen beiden Konfessionen gemeinschaftlich zugesprochen.

1654

Schwedische Truppen ziehen aus Vechta ab, das sie als Faustpfand für Geldforderungen an das Reich besetzt gehalten hatten. Zum Dank stiftet Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die bis heute jährlich abgehaltene Himmelfahrtsprozession in Vechta.

Gnadenkapelle in Bethen

© Offizialat

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen weihte 1669 die neu erbaute barocke Gnadenkapelle in Bethen bei Cloppenburg ein, deren Mittelpunkt ein viel verehrtes Vesperbild aus dem frühen 15. Jahrhundert ist.

1667

Als Diözesanbischof von Münster erwirbt Christoph Bernhard von Galen vom Osnabrücker Domkapitel die geistliche Jurisdiktion im Niederstift Münster. 1668 ratifiziert Papst Clemens IX. diesen Vertrag.

1674

Fürstbischof Christoph Bernhard ordnet an, dass jedes Kirchspiel eine Schule unterhalten muss. In Cloppenburg, Friesoythe, Löningen, Dinklage und Vechta sollen außerdem gesonderte Mädchenschulen gegründet werden.

1682

Der selige Niels Stensen, ein bedeutender Naturwissenschaftler, visitiert als Weihbischof von Münster die Pfarreien des Dekanates Vechta.

1699

Die Stiftskirche in Wildeshausen fällt nach mehrfachem Konfessionswechsel endgültig an die Protestanten. Die Kanoniker finden in Vechta Asyl, wo seither auch das kostbare Armreliquiar des hl. Alexander verwahrt wird.

1719

Die Franziskaner in Vechta erweitern ihre Klosterschule aufgrund eines Vertrags mit dem Vechtaer Magistrat zu einer höheren Schule, dem heutigen Gymnasium Antonianum. Seither wird diese Bildungsstätte von Schülern aus allen Gemeinden des östlichen Niederstifts besucht.

1776

In der Herrschaft Jever wird durch den Landesherrn, Fürst Friedrich August von Anhalt-Zerbst, die Gleichberechtigung der Konfessionen eingeführt.

1783

Der Herzog von Oldenburg gibt der katholischen Minderheit in seiner Hauptstadt die Erlaubnis zur Anstellung eines eigenen Seelsorgers.

Foto Bernard Overberg

© Offizialat

Der große Seelsorger Bernard Overberg (1754-1826) prägte als Leiter des Lehrerseminars und als Regens des Priesterseminars in Münster sowie als Autor eines Katechismus und einer biblischen Geschichte ganze Generationen von katholischen Christen in den Bistümern Münster und Osnabrück.

1783/84

Der bedeutende münsterische Schulreformer Bernard Overberg visitiert sämtliche Kirchspiels- und Bauerschaftsschulen des Niederstifts Münster.

1792/93

Das Fürstbistum Münster gewährt Tausenden von französischen Priestern Asyl, die vor den Revolutionären geflohen waren. Einige von ihnen werden auch in den Ämtern Vechta und Cloppenburg untergebracht.

1806

Das Alexanderstift in Vechta wird säkularisiert, nachdem Propst und Dechant des Kapitels bereits vorher verstorben waren. Die verbliebenen Stiftsherren erhalten Pensionen.

1812

Während der Franzosenzeit wird das Franziskanerkloster in Vechta, dem schon in der oldenburgischen Zeit die Aufnahme von Novizen untersagt worden war, aufgrund eines napoleonischen Erlasses aufgehoben.

1821

Durch die Bulle „De salute animarum“ unterstellt Papst Pius VII. die im Herzogtum Oldenburg wohnenden Katholiken der Jurisdiktion des Bistums Münster. Dies betrifft auch die bislang zum Bistum Osnabrück gehörenden Pfarreien Damme und Neuenkirchen sowie die Missionsgemeinden Oldenburg und Jever.

1831

Aufgrund der 1830 zwischen Vertretern des Großherzogs von Oldenburg und des Heiligen Stuhls ausgehandelten „Konvention von Oliva“ wird für die im Herzogtum Oldenburg wohnenden Katholiken ein eigenes, mit weitgehenden Rechten ausgestattetes Generalvikariat mit der Bezeichnung „Offizialat“ geschaffen, das von der bischöflichen Behörde in Münster unabhängig ist und seinen Sitz in Vechta hat. Als erster Offizial wird Dr. Franz Joseph Herold am 4. Mai in sein Amt eingeführt.

Dienstsitz für den Bischöflichen Offizial in Vechta

© Offizialat

1832 errichtete der oldenburgische Staat als Dienstsitz für den Bischöflichen Offizial in Vechta ein repräsentatives klassizistisches Gebäude, das heute eines der wenigen älteren Baudenkmäler der Kreisstadt ist.

1846

Offizial Dr. Herold sieht sich zur Amtsniederlegung gezwungen, als gegen ihn eine kirchliche Untersuchung wegen angeblicher sittlicher Verfehlungen eingeleitet wird. Aufgrund von Differenzen zwischen der Bistumsleitung in Münster und der Regierung in Oldenburg bleibt die Stelle des Offizials jahrelang vakant und kann erst 1853 neu besetzt werden.

1851

In Vechta wird das erste katholische Krankenhaus des Landes Oldenburg gegründet. Barmherzige Schwestern (Clemensschwestern) aus Münster übernehmen den Pflegedienst. Bis zum Ersten Weltkrieg entstehen an vielen Orten im Süden und Norden des Landes Oldenburg weitere Hospitäler. Neben den Clemensschwestern erwerben sich auch die Mauritzer Franziskanerinnen große Verdienste um die Krankenfürsorge.

1854

Der „Oldenburgische Kirchenstreit“, ein fast zwanzig Jahre dauernder Konflikt zwischen oldenburgischem Staat und katholischer Kirchenleitung, nimmt seinen Anfang. Die Meinungsverschiedenheiten über die staatlichen Aufsichtsrechte eskalieren jedoch nicht zu einem Kulturkampf und werden 1871 beigelegt.

1859

Die Schwestern Unserer Lieben Frau eröffnen in Vechta die erste katholische Höhere Töchterschule des Landes Oldenburg. Später gründet die Kongregation weitere Mädchenschulen in Lohne (1870), Cloppenburg (1878), Oldenburg (1888), Damme (1897), Bant/Wilhelmshaven (1903), Löningen (1907), Delmenhorst (1910) und Friesoythe (1919).

1860

Bei einem Treffen in der Nähe von Münster konstituiert sich der „Verein oldenburgischer Geistlicher“, der sich die „Erleichterung des Berufslebens durch Freundschaft und Wissenschaft“ zum Ziel setzt. Für die Jahresversammlungen des Vereins wird die humoristische Bezeichnung „Räubersynode“ gebräuchlich. In Verbindung mit dem Verein steht die Theologengemeinschaft „Oldenburgia“, der die in Münster studierenden Priesteramtskandidaten aus dem Oldenburger Land angehören.

Der Verein  „Oldenburgia“

© Offizialat

Die oldenburgischen Theologiestudenten in Münster („Oldenburgia“) pflegen landsmannschaftliche Verbundenheit, hier bei einem Ferienkonvent auf Burg Hopen bei Lohne im Herbst 1930.

1861

In Vechta wird ein Lehrerseminar eröffnet. In der Tradition der schon seit 1830 bestehenden Normalschule werden hier Lehrkräfte für die katholischen Schulen des Herzogtums Oldenburg ausgebildet. Parallel dazu richten die Schwestern Unserer Lieben Frau 1877 ein Lehrerinnenseminar in Vechta ein, das später teilweise nach Cloppenburg verlegt wird.

1871

Sechs Jahre nach dem Tod Adolph Kolpings wird in Damme der erste katholische Gesellenverein des Landes Oldenburg gegründet. Bis zum Ende des Jahrhunderts folgen Vereinsgründungen in neun anderen oldenburgischen Orten. Aus dem seit den späten 1880er Jahren gefeierten Bundesfest entwickelt sich der heute jährlich stattfindende Oldenburger Kolpingtag.

Baustelle einer geräumigen Kirche

© Offizialat

In der Zeit des deutschen Kaiserreiches wurden im Oldenburger Münsterland vielerorts die alten Dorfkirchen durch geräumige und repräsentative Neubauten im historistischen Stil ersetzt, wie dieses Bild aus der Bauzeit der 1875/78 errichteten St.-Catharina-Kirche in Dinklage zeigt.

1876

Der Bischof von Münster, Johann Bernhard Brinkmann, wird von der preußischen Justiz wegen seines Widerstands gegen Bismarcks Kulturkampfgesetze für abgesetzt erklärt, nachdem er schon im Vorjahr inhaftiert gewesen war und in Holland Zuflucht gesucht hatte. In einem weiteren Verfahren wird er erneut zu Gefängnishaft verurteilt, weil er Gelder und Akten seines aufgelösten Generalvikariats beim Offizialat in Vechta in Sicherheit hatte bringen lassen. Die Kirche erkennt die Absetzung Brinkmanns nicht an. 1884 kann er nach Münster zurückkehren, wo ihm die Bevölkerung einen triumphalen Empfang bereitet.

1877

Ferdinand Graf von Galen, Reichstagsabgeordneter aus Dinklage, bringt im Reichstag den „Antrag Galen“, die erste sozialpolitische Initiative der Zentrumspartei, ein. Der Antrag enthält einen Maßnahmen-Katalog zum Schutz der Arbeiter, wird jedoch von einem parlamentarischen Ausschuss ohne weitere Beratung zurückgewiesen.

1886

Die Schwestern Unserer Lieben Frau gründen in Damme das Waisenhaus St.-Antoniusstift und ein Jahr später in Cloppenburg das St.-Vincenzhaus als Heim für behinderte Kinder.

1897

Auf Initiative der seligen Maria-Teresa Tauscher, der Gründerin des Carmel vom Göttlichen Herzen Jesu, wird in Vechta das Waisenhaus St.-Josefsheim eingerichtet.

Pater Titus

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Pater Dr. Titus Horten (1882-1936) aus Elberfeld, von 1917 bis zu seinem Tod Mitglied des Dominikanerkonvents in Vechta, wird als der „Heilige des Oldenburger Landes“ verehrt.

1902

Die Dominikaner eröffnen in Vechta ein Schülerkonvikt und sechs Jahre später eine Ordens- und Missionsschule. Bei der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg erhält die Schule die Bezeichnung Kolleg St. Thomas.

1904

In Lohne gründet Kaplan Anton Stegemann den ersten katholischen Arbeiterverein des Landes Oldenburg.

1908

Der Franziskanerorden gründet in Mühlen (bei Steinfeld) ein Kloster.

St.-Willehad-Kirche

© Offizialat

Im Jahr 1911 wurde die neue St.-Willehad-Kirche für die katholischen Einwohner der damals preußischen Marinestadt Wilhelmshaven eingeweiht.

1912

In der oldenburgischen Diaspora wird die Pfarrei Delmenhorst errichtet, da sich zahlreiche katholische Arbeitsmigranten in der aufstrebenden Industriestadt niedergelassen haben. Weitere Neugründungen von Diasporapfarreien folgen 1913 im preußischen Wilhelmshaven und 1914 im benachbarten oldenburgischen Rüstringen.

1914

Nach Ausbruch des Weltkriegs pilgern viele Katholiken aus dem Oldenburger Land nach Bethen (bei Cloppenburg), um dort vor dem Gnadenbild der Muttergottes, einer Skulptur aus dem 15. Jahrhundert, für ihre Angehörigen zu beten.

1920

In der Umbruchszeit nach dem verlorenen Weltkrieg findet im September in Cloppenburg ein „Oldenburger Katholikentag“ mit über 35.000 Teilnehmern statt. In mehreren Vortragsveranstaltungen wird versucht, Antworten auf drängende Zeitfragen zu geben.

1921

Um die caritative Arbeit effektiver zu organisieren, wird der Landes-Caritasverband für Oldenburg gegründet. Heute steht dieser Verband gleichberechtigt neben den Diözesan-Caritasverbänden der deutschen Bistümer.

1929

In Bethen wird auf dem Platz neben der alten Marienkapelle eine neue, geräumige Wallfahrtskirche konsekriert. Sie dient als zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Ersten (und später des Zweiten) Weltkriegs aus den katholischen Gemeinden des Landes Oldenburg. 1977 verleiht Papst Paul VI. der Wallfahrtskirche in Bethen den Titel einer „Basilica minor“.

Gedenktafel

© Offizialat

In der Krypta der 1929 konsekrierten Wallfahrtskirche in Bethen sind auf Marmortafeln 3672 Namen von Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs aus den katholischen Gemeinden des Oldenburger Landes verzeichnet.

1933

Der Pfarrer von St. Lamberti in Münster, Clemens August Graf von Galen, der 1878 auf Burg Dinklage geboren wurde, wird von Papst Pius XI. zum Bischof von Münster ernannt. Am 28. Oktober erhält er im Dom zu Münster die Bischofsweihe.
1934    Am 12. August erhebt Bischof von Galen bei einer Predigt vor 25.000 Männern in Bethen Protest gegen die Lehren des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg.

1935

Das im Vorjahr gegründete oldenburgische Kirchenblatt „Kirche und Leben“ wird wegen zeitkritischer Artikel für drei Monate verboten.

Bischof Clemens August von Galen mit Messdienern

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Im Rahmen einer Firmreise hielt Bischof Clemens August von Galen im September 1935 in Oldenburg aus Anlass des Jubiläums der örtlichen Kolpingsfamilie eine Predigt, in der er das katholische Vereinswesen gegen nationalsozialistische Angriffe verteidigte.

1936

Am 30. Januar findet in Vechta unter großer Beteiligung der Bevölkerung die Beisetzung des in Oldenburger Gefängnishaft verstorbenen Dominikanerpaters Titus Horten statt. Die Nationalsozialisten hatten ihn in einem Schauprozess als „Devisenverbrecher“ angeklagt. Wegen seiner tiefen Frömmigkeit und Bescheidenheit wird Pater Titus von vielen Katholiken wie ein Heiliger verehrt; seit 1948 läuft ein Seligsprechungsverfahren.

Plakat NSDAP

© Offizialat

Mit diesem Plakat rief die NSDAP im November 1936 kurzfristig zu einer Großkundgebung in Cloppenburg auf, bei der sich Gauleiter Röver angesichts der Empörung der Katholiken gezwungen sah, das beabsichtigte Verbot kirchlicher Symbole in Schulen zurückzunehmen.

1936

Am 25. November erzwingen oldenburgische Katholiken bei einer Großkundgebung in der Münsterlandhalle in Cloppenburg die Rücknahme eines Regierungserlasses, mit dem die Kreuze in den Schulen verboten werden sollten („Kreuzkampf“). Später werden drei katholische Laien aus Südoldenburg, die sich führend an den Protesten beteiligt hatten, monatelang im KZ Oranienburg festgehalten.

1938

Proteste von katholischen Priestern und Laien unter Führung des Offizials Franz Vorwerk gegen die Abschaffung der Bekenntnisschule im Land Oldenburg führen zur KZ-Einlieferung von zwölf Familienvätern aus Goldenstedt und Lutten sowie zur Landesverweisung des Offizials und mehrerer anderer Geistlicher.

1939

Der NS-Staat entzieht den katholischen Ordensschulen die Existenzberechtigung. Die Mädchenschulen der Schwestern Unserer Lieben Frau und das Gymnasium der Dominikaner in Füchtel müssen spätestens zu Ostern 1940 ihre Arbeit beenden.

1940

Auf die Ernennung des neuen Offizials Dr. Johannes Pohlschneider durch Bischof von Galen reagiert der oldenburgische Staat im Juni mit der Zwangsräumung des Offizialatsgebäudes in Vechta und der Einbehaltung der staatlichen Zuschüsse für die Kirche.

Abiturjahrgang der „Oberschule für Mädchen“ (Liebfrauenschule) in Vechta

© Offizialat

Bevor die katholischen Privatschulen von der NSDAP endgültig verboten wurden, stellte sich 1940 der letzte Abiturjahrgang der „Oberschule für Mädchen“ (Liebfrauenschule) in Vechta zum Gruppenfoto auf.

1941

In der dritten seiner berühmten regimekritischen Predigten prangert Bischof von Galen am 3. August in der Lamberti-Kirche in Münster die verbrecherischen Euthanasie-Maßnahmen der NS-Regierung öffentlich an. Heinrich Fresenborg, der Pfarrer von Neuscharrel, der diese Predigt im Gottesdienst thematisiert, wird am 18. September von der Gestapo abgeholt und ins KZ Dachau eingeliefert. Bischof von Galen ordnet daraufhin an, dass seine Predigt am 28. September in allen katholischen Kirchen Oldenburgs wörtlich von der Kanzel verlesen wird.

1944

Der Provinzial der deutschen Dominikaner, der aus Elisabethfehn gebürtige Pater Laurentius Siemer, wird nach dem Hitler-Attentat von der Gestapo gesucht. Er kann in Schwichteler bei Cappeln untertauchen und wird bis Kriegsende von einer Bauernfamilie in Handorf bei Holdorf versteckt gehalten.

1945

Im KZ Bergen-Belsen endet das Leben des Postbeamten Meinard Fortmann aus Vechta, der sich als Kolpingbruder standhaft gegen die Gleichschaltung durch die NSDAP aufgelehnt hatte.

1945

Als am 11. April die Alliierten in Löningen einrücken, findet der Vikar Ernst Henn beim Aufziehen einer weißen Fahne den Tod. Henn genoss als Jugendseelsorger sehr große Beliebtheit und gehörte zu den wenigen Geistlichen, die 1938 öffentlich gegen die Verbrennung der Synagogen protestiert hatten.

Plakat Heimatvertriebene

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Zu den zahlreichen Kirchen, die in der Nachkriegszeit für die katholischen Heimatvertriebenen in der oldenburgischen Diaspora entstanden, gehört die 1956/58 errichtete Hl.-Geist-Kirche in Lemwerder, deren Bau von den katholischen Jugendorganisationen des Bistums Münster gefördert wurde.

1946

Am 21. Februar findet in Rom ein öffentliches Konsistorium mit Papst Pius XII. statt, bei  dem Bischof von Galen in das Kollegium der Kardinäle aufgenommen wird. Ihm wird von vielen Seiten große Hochachtung entgegengebracht. Kurz nach seiner Rückkehr nach Münster stirbt der Kardinal am 22. März an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs.

1946

Über zweihunderttausend Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten werden im Land Oldenburg angesiedelt. Die Katholikenzahl wächst von 141.000 im Jahr 1939 auf 220.000 im Jahr 1950. In den fünfziger und sechziger Jahren entstehen vor allem in der nordoldenburgischen Diaspora zahlreiche neue Kirchengemeinden.

1946

Im November endet die Eigenstaatlichkeit des Landes Oldenburg, das als Verwaltungsbezirk im neugegründeten Land Niedersachsen aufgeht.

1948

Das 1832 errichtete Offizialatsgebäude in Vechta geht als Entschädigung für die antikirchlichen Maßnahmen der NS-Zeit in den Besitz der katholischen Kirche über.

1949

Die Familie von Galen schenkt ihre Burg Dinklage den Benediktinerinnen von Alexanderdorf, die hier ein Kloster gründen, das 1977 in den Rang einer Abtei erhoben wird.

1963

Benediktiner von Münsterschwarzach lassen sich auf einem Bauernhof in Kemphausen (bei Damme) nieder. Seit 1969/70 ist der Konvent in einem neu erbauten Kloster in Damme ansässig, das 1980 den Status eines Priorats erhält. Die Mönche widmen sich der religiösen Bildungsarbeit.

1965

Der Heilige Stuhl und das Land Niedersachsen schließen ein Konkordat ab, welches unter anderem die Sonderstellung des Offizialatsbezirks Oldenburg und die katholische Lehrerausbildung in Vechta garantiert.
1966    Am 8. Januar findet eine erste offizielle Begegnung des Bischofs von Münster und des Offizials in Vechta mit dem evangelischen Landesbischof von Oldenburg statt, woraus die regelmäßig stattfindenden „Oldenburger Ökumenischen Gespräche“ hervorgehen.

1969

Die niedersächsische Regierung beendet die schulrechtliche Sonderstellung des Verwaltungsbezirks Oldenburg. Künftig gilt hier nicht mehr die Bekenntnisschule, sondern die christliche Gemeinschaftsschule als Regel. In der Folge geht auch der konfessionelle Charakter der Pädagogischen Hochschule in Vechta verloren, die 1973 zu einer Abteilung der Universität Osnabrück wird.

1973

Im Zuge der Einteilung des Bistums Münster in Regionen wird Offizial Dr. Max Georg Freiherr von Twickel zum Regionalbischof für Oldenburg ernannt und am 24. Februar im Dom zu Münster zum Bischof geweiht. Damit wird die Stadt Vechta Bischofssitz.

1973

Eine Novellierung des Niedersachsenkonkordates gibt der katholischen Kirche die Möglichkeit, in größeren Orten Hauptschulen nebst Orientierungsstufen in kirchlicher Trägerschaft einzurichten. Solche sogenannten Konkordatsschulen entstehen in den folgenden Jahren in Cloppenburg, Vechta, Oldenburg und Wilhelmshaven. Sie werden später um Realschulzweige erweitert.

1974

In Stapelfeld nimmt die Heimvolkshochschule Kardinal von Galen ihre Arbeit auf. Sie widmet sich aus christlichem Geist der Erwachsenenbildung und führt seit 1991 den Titel einer Katholischen Akademie.

Luftbild katholische Bildungsstätte Stapelfeld

© Offizialat

Eine Postkarte der katholischen Bildungsstätte in Stapelfeld bei Cloppenburg mit der 1952/54 erbauten Heilig-Kreuz-Kirche.

1974

Die Salesianer Don Boscos richten in der ehemaligen Volksschule in Calhorn bei Essen eine Stätte religiöser Einkehr für junge Christen ein.

1985

In Bethen findet erstmals ein großer Bekenntnistag der Oldenburger Katholiken in neuer Form statt.

1987

Papst Johannes Paul II. besucht während seiner zweiten Deutschlandreise Münster und betet am Grab des Kardinals von Galen.

Christus-Ikone

© Offizialat

Eigens für den 7. Bekenntnistag der Oldenburger Katholiken im Heiligen Jahr 2000 hat Pater Ansgar Stukenborg OSB aus dem Kloster Nütschau diese Christus-Ikone geschaffen.

2001

Nach 31-jähriger Amtszeit geht der Offizial und Weihbischof Dr. von Twickel in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wird der bisherige Pfarrer von Visbek, Heinrich Timmerevers, ernannt. Am 2. September erhält er im Dom zu Münster die Bischofsweihe.

2002

Die Pfarrei Hengelage bei Essen, die politisch bereits seit 1972 zur Stadt Quakenbrück gehört, wird an das Bistum Osnabrück abgetreten.

2003

Die 1965/66 für die Soldatenseelsorge in Delmenhorst-Adelheide erbaute St.-Ansgar-Kirche muss als erstes katholisches Gotteshaus im Oldenburger Land profaniert und verkauft werden.

2004

Mit der Zusammenführung von vier ehemals selbständigen Kirchengemeinden zur neuen Pfarrei St. Johannes Baptist in Garrel beginnt die Umsetzung eines „Zukunftsplans“ für die katholische Kirche im Oldenburger Land. Damit soll dem sich verstärkenden Rückgang der Priesterberufungen und des Gottesdienstbesuchs Rechnung getragen werden.

2005

Im Rahmen einer Romwallfahrt zum 1200-jährigen Jubiläum des Bistums Münster findet am 9. Oktober im Petersdom die feierliche Seligsprechung des Kardinals von Galen statt.

2010

Die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs durch Mitarbeiter der katholischen Kirche löst innerhalb wie außerhalb der Kirche große Erschütterung aus. Auch in kirchlichen Einrichtungen des Offizialatsbezirks hatte es solche Fälle gegeben, über die nun erstmals öffentlich berichtet wird.

2012

Im Urlaubsort Schillig an der Nordsee wird am 4. Februar die „Kirche am Meer“ eingeweiht, die als gelungener Kirchenneubau in einer Zeit der Profanierungen überregionale Beachtung findet.

Kirche am Meer

© Offizialat

Die 2012 eingeweihte „Kirche am Meer“ in Schillig, ein vielbeachteter Neubau für die Urlauberseelsorge im Landkreis Friesland.

2012

Nach der Aufhebung der Pfarrei Neuenkirchen und ihre Eingliederung in die Pfarrei Damme hat sich die Anzahl der selbständigen katholischen Kirchengemeinden im Offizialatsbezirk Oldenburg innerhalb von acht Jahren von 123 auf 41 reduziert.

2013

Die Schwestern Unserer Lieben Frau sehen sich aufgrund der Überalterung ihrer Kongregation gezwungen, die Leitung der letzten ihnen verbliebenen Schulen im Offizialatsbezirk, der Liebfrauenschule Vechta und der Berufsbildenden Schulen Marienhain, aufzugeben. Die Trägerschaft geht auf das Offizialat über.

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