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27. August 2019 - Bethen

Maria mit dem Kinderwagen

Sieben Schmerzen Mariens in moderne StreetArt umgesetzt

Die schönsten Geburtstagsgeschenke muss man sich manchmal selbst machen. Und warum nicht auch schon vor dem Geburtstag, dachte sich Pfarrer Dr. Dirk Költgen. Am letzten Wochenende ist dieses Geschenk, eine Graffiti-Malerei in der Unterführung hinter der Basilika, fertig geworden. Im modernen Stil zeigen hier überlebensgroße Bilder des Osnabrücker Künstlers Mika Springwald in knalligen Farben die sieben Schmerzen Mariens. Die StreetArt Interpretationen greifen das Patrozinium der Bether Wallfahrtskirche – Unsere liebe Frau zu den sieben Schmerzen - auf. Am 15. September feiert der Wallfahrtsort den 350-jährigen Geburtstag seiner Gnadenkapelle.   

Gruppenbild vor Graffiti-WerkGroßansicht öffnen

Mika Springwald (6.v.l.) sprayte mit der Katholischen Landjugend Bethens die sieben Schmerzen Mariens in die Unterführung hinter der Basilika. Rechts neben ihm Pfarrer Dr. Dirk Költgen, der die Aktion initiierte.

Springwald bei der ArbeitGroßansicht öffnen

Mika Springwald bei der Arbeit

Das fertige KunstwerkGroßansicht öffnen

Das fertige Kunstwerk

Weissagung im Tempel und Flucht aus ÄgyptenGroßansicht öffnen

Weissagung im Tempel und Flucht nach Ägypten

Maria verliert Jesus im Tempel und Begegnung beim KreuzwegGroßansicht öffnen

Maria verliert Jesus im Tempel und Begegnung beim Kreuzweg

Begegnung beim Kreuzweg und KreuzigungGroßansicht öffnen

Begegnung beim Kreuzweg und Kreuzigung

Kreuzabnahme und GrablegungGroßansicht öffnen

Kreuzabnahme und Grablegung

Die Szene, als Maria im Tempel das Schicksal ihres noch kleinen Sohnes vorhergesagt bekommt - Springwald macht daraus eine Marienfigur im traditionellen Gewand, die wehmütig auf einen Kinderwagen schaut. Die Flucht nach Ägypten zeigt sie mit Koffer in der Hand. Den Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel setzt Springwald mit einem bärtigen jungen Mann um, der sich - in Jeans und T-Shirt gekleidet und mit Heiligenschein lässig unter dem Arm - von seiner Mutter entfernt. Auch die Szenen vom Kreuzweg, Kreuzabnahme und Grablegung zeigen einen locker gekleideten Jesus mit Sneakern. Nur bei der Kreuzigung ist er nackt. Die Entwürfe und die nötigen Schablonen brachte Springwald mit. Realisiert hat er sie mit über zwanzig Mitgliedern der Katholischen Landjugend Bethens.
 
Am Vorabend hätten sie die weiße Grundierung auf die Betonwand aufgetragen, die zuvor von einem Mitarbeiter des Straßenbauamts mit Hochdruckreiniger gesäubert worden war, erzählen Leon Herbers und Felix Wessjohan, die die Gruppe organisiert hatten. Sprayerfahrung hatte niemand von ihnen. Auch die sieben Schmerzen Marien hätten sie nicht gekannt, geben sie zu. Doch die Idee von Pastor Költgen hätten sie interessant gefunden. Und das fertige Bild begeistert sie. „Eine moderne Sicht auf Kirche“, freut sich Leon. „Jeder konnte Ideen einbringen.“ Angesprochen fühlen sich die beiden vor allem von der Kreuzigungsszene und dem Bild, wo sich Jesus im Tempel von seiner Mutter abwendet. „Wie wenn wir in der Pubertät ausziehen“, sagt Felix.   

„So etwas wollte ich immer schon mal machen“, sagte Költgen. Springwald und seine Kunst habe er letztes Jahr bei einer Jugendkatechse in Bethen mit Bischof Felix kennengelernt. Der ist in der Szene kein Unbekannter. Gesprayte ökumenische Jugendkreuzwege von ihm finden sich in Geldern, Köln, Osnabrück und Münster. Im nächsten Jahr erscheint im Herderverlag eine Jugendbibel mit Illustrationen von ihm. Die Genehmigungen vom Straßenbaumt Lingen und der Stadt Cloppenburg für diese Aktion habe er daher problemlos bekommen, erzählt Költgen.

Die Jugendlichen hätten sich beim Sprayen intensiv mit den Szenen auseinandergesetzt, hat es Springwald beobachtet. Das Bild setze sich jugendgemäß mit der Wallfahrts-Thematik des Ortes auseinander. „Wir brauchen ein Medium, um kirchliche Themen ins Moderne zu holen. Die sieben Schmerzen Mariens sind für Jugendliche kein griffiges Thema. Wenn ich die aber übertrage, sind es Themen von heute. Und dafür ist auch die Sprühdose optimal. Außerdem hat sie immer noch den Hauch des Verbotenen“, lacht er. Ob er schon mal Ablehnung seiner Kunst erfahren hat? „Klar, das ist StreetArt. Aber auch, wer es nicht mag, redet drüber.“ StreetArt ist sozialkritisch, erklärt Springwald, der hauptamtlich als Sozialarbeiter bei der Caritas in Osnabrück arbeitet. „Für mich gibt es nichts sozialkritischeres als das, was Jesus gemacht hat.“

Aufmerksamkeit erzeugt das Kunstwerk schon vor seiner Fertigstellung. Immer wieder halten Auto- und Radfahrer an. Jetzt hoffen alle nur, dass die Bilder nicht verunstaltet werden.

Ludger Heuer