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13. September 2022

Der Akku vieler ist leer

Weihbischof Theising besucht mit Caritas-Delegation stellvertretend drei Einrichtungen der oldenburgischen Caritas-Altenhilfe – Fachkräftemangel deutlich spürbar – Mitarbeitende, die für Beruf brennen Lastrup / Oldenburg / Vechta (LCV) „Auch Einrichtungen der Altenhilfe leiden teilweise unter einer Form von ‚Long Covid‘“, sagte Weihbischof Wilfried Theising am Donnerstag, 7. September, im Rahmen eines stellvertretenden Besuches von drei oldenburgischen Caritas-Altenheimen.

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Zu Besuch im Alten- und Pflegeheim Marienhort: Weihbischof Theising im Gespräch mit Claudia Jacob. Seit 36 Jahren arbeitet sie in der Pflege und sagt: „Ich mag meine Arbeit.“

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Herzlicher Empfang: Gertrud Heidkamp überreicht Weihbischof Theising ein Geschenk bei dessen Besuch in der Tagespflege der Vechtaer St. Hedwig-Stiftung

Auch wenn das Virus glücklicherweise nicht mehr konkret in Einrichtungen sei, gebe es verständliche Ängste bei Mitarbeitenden vor dem kommenden Herbst und Winter, zeigte Theising Verständnis für die Lage von Pflegekräften. 

Gleichzeitig dankte er allen in der Pflege Tätigen. „Sie haben hier in tiefer Not ein großes Stück Kirche gelebt und leben es nach wie vor!“ Christsein werde in der Caritas elementar umgesetzt, würdigte Theising. 

Vom Stolz auf ihren Beruf und gleichzeitig davon, dass der Akku vieler Pflegekräfte leer sei, berichteten Mitarbeitende des St. Elisabeth-Stiftes in Lastrup und der Caritas Sozialstation Essen-Lastrup-Molbergen. Rund 300 Mitarbeitende pflegen und betreuen in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung sowie im Pflegeheim und durch die Sozialstation täglich knapp 500 Personen. 

Die Corona-Phase hätten sie teilweise „wie im schlechten Film erlebt“. Psychisch kranke Menschen seien auf sich alleine gestellt gewesen. Die kleinen Handgriffe der Angehörigen der Altenheimbewohner seien weggefallen. Der Druck auf die Mitarbeitenden sei dadurch gewachsen, „weil wir dann alles waren für die Bewohner“, so eine Pflegekraft. 

Der Akkus vieler sei leer. Bei einem hohen Krankenstand könne bei VW das Band abgestellt werden. In der Arbeit mit Menschen könne und wolle das verständlicherweise niemand tun. Lichtblicke seien Dinge wie Musikangebote im Innenhof gewesen, wodurch „Leben in die Bude gekommen ist“. 
Das alles wurde erlebt in dem Wissen, „einen schönen und wichtigen Beruf auszuüben“, betonte die stellvertretende Pflegedienstleitung Inge Kessen. 
Von deutlichen Corona-Folgen für das Personal berichtete auch Caritas-Geschäftsführerin Karin Weber aus Oldenburg. 480 Mitarbeitende betreuen hier im stationären und ambulanten Bereich gut 1.000 Pflegebedürftige pro Tag. Dabei gebe es im ambulanten Bereich starke Nachfragen nach Pflege. Auf Grund von Personalmangel müssten hier jedoch manchmal Absagen erteilt werden. Im Blick auf den stationären Bereich der Stadt Oldenburg insgesamt schätzt Weber, dass hier in den letzten Jahren bereits mehr als 300 Pflegeplätze auf Grund von Personalmangel abgebaut worden sind. 

Umso dankbarer sei sie für Mitarbeiterinnen wie Claudia Jacob, die seit 36 Jahren in der Pflege arbeite und aus ganzem Herzen sagen kann: „Ich mag meine Arbeit.“ Grundsatz der Oldenburger Caritas-Führungskräfte sei trotz aller Herausforderungen: „Wir beenden jede Sitzung mit etwas Positivem!“

Ein starkes Bedürfnis nach „Seelsorge“ im weitesten Sinn stellt Cornelia Ostendorf als Geschäftsführerin in der St. Hedwig-Stiftung fest. In der Einrichtung, die mit rund 650 Mitarbeitenden pro Tag rund 1.000 Menschen betreut und versorgt, hätten sowohl Bewohner, Angehörige als auch Mitarbeitende eine verstärkte Betreuung gebraucht. 

Pflegekräfte aus der Ukraine beispielsweise, die ihre Kinder noch im Heimatland hätten. Oder junge Mitarbeitende, die etwa das Sterben von Großeltern nicht miterlebt hätten und jetzt erstmals mit Tod und Sterben konfrontiert würden. 

Als hohes Gut beschrieb Diakon und Pflegedienstleiter Herbert Macke die Mitarbeit von muslimischen Mitarbeitenden. Macke: „Das gibt uns nochmal die Möglichkeit, in unserem eigenen christlichen Glauben zu wachsen.“ 

Dietmar Kattinger