An den Folgen der nationalsozialistischen Justiz starb Pater Titus Maria Horten OP (geb. 1882) am 25. Januar 1936 in einem Oldenburger Krankenhaus. Verhaftet wurde er aufgrund angeblicher Devisenvergehen. Zunächst wurde sein Leichnam am 30. Januar 1936 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Friedhof in Vechta beigesetzt. „Der Leichenzug und die Beerdigung glichen mehr einem Triumphzuge als einer Trauerfeier“, berichten die Zeitzeugen und verstanden dies durchaus als Opposition zum totalitären Regime.
Für manche Teilnehmende an der Beerdigung folgten dann auch negative Konsequenzen. Direkt nach dem Tod setzte die Verehrung für Pater Titus Horten ein. Erste Erinnerungen an den Toten wurden niedergeschrieben. Das Grab entwickelte sich für viele Menschen zu einem Ort des Gebetes.
Überführung des Sargs
Am 2. Mai 1954 wurden die sterblichen Überreste von Pater Titus in die Kirche der Dominikaner in Vechta-Füchtel überführt. Dort setzte ihn der damalige Bischof Michael Keller neu bei. Der Weg dorthin wurde von zigtausenden Menschen begleitet. Sie säumten die Straßen und folgten als Prozession der Kutsche mit dem Sarg, wie Fotos eindrucksvoll zeigen. Anschließend feierten die Menschen einen Gottesdienst im Garten des Klosters. „Wer war dieser Mann, wer war Pater Titus Horten aus dem Dominikanerorden, dessen Sterben solch bewegende Reaktionen hervorrief?“, fragt Pater Ludger Fortmann in seinem Buch, das er über den beliebten Dominikaner geschrieben hat.
Bedeutung für Vechta
Sein Bruder, Pater Timotheus, ebenfalls Dominikaner, und er hatten schon früh eine innere Verbindung zum 1902 gegründeten Ordenskonvikt in Vechta. Sie entstammten einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Mit dem väterlichen Erbe kaufte Horten im Jahr 1903 Grundstücke am Rande des Füchteler Waldes. An dieser Stelle finden sich heute der Konvent der Vechtaer Dominikaner und das Gymnasium Kolleg St. Thomas.
Der Ordensmann, der mit bürgerlichem Namen Franz Horten hieß, wurde 1915 zum Priester geweiht und übernahm verschiedene verantwortungsvolle Aufgaben im Orden. Die Dominikaner versetzten ihn 1917 in die wachsende norddeutsche Niederlassung nach Vechta.
Zunächst lebte und arbeitete Horten im ersten Klostergebäude des Ordens in Vechta. In der Großen Straße, schräg gegenüber der Propsteikirche St. Georg, fanden sich der Verlag und die Druckerei des Ordens sowie die Missions-Prokur, die Titus Horten leitete. Der Orden wirkte schon damals in die ganze Welt. Von Vechta aus ging seine Zuständigkeit bis nach China. Hier hatten die Dominikaner ein Missionsgebiet. 1927 wurde Horten erstmals als Prior für den Konvent in Vechta gewählt, eine zweite Amtszeit folgte ab 1930.
Neben diesen für den Orden wichtigen Aufgaben wirkte der Geistliche für die Gläubigen in Vechta. Er war als Seelsorger, Prediger und Beichtvater in St. Georg Vechta eingesetzt. Er bewegte caritativ vieles und unterstützte die Menschen in Not, insbesondere während der Weltwirtschaftskrise. Als Prokurator war er im Namen des Ordens für finanzielle und rechtliche Fragen des Standortes verantwortlich. Er trieb den Aufbau in Füchtel voran. Schließlich folgte der Umzug des Konvents an den Waldrand. Zu seinen Spuren gehört auch die erste Badeanstalt von Vechta. Nahe dem Kloster ließ er am Moorbach ein Becken ausheben und Umkleidekabinen errichten, zunächst für die Schüler, aber auch für die Öffentlichkeit der Stadt.
Pater Titus war ein Dominikaner, der für die Menschen seiner Zeit große Bedeutung erlangte. „Die Menschen nannten ihn ‚der gute Pater Titus‘“, hebt Fortmann hervor. Horten sei kein hervorstechender Prediger gewesen oder jemand, der besonders umfassende theologische Schriften veröffentlicht habe. „Von den Menschen in Vechta wurde Titus immer als hilfsbereiter, einfacher Pater erlebt, der den Menschen sehr zugewandt war,“ erzählt Pater Ludger. Er sei den Handwerkern sehr verbunden gewesen, aber darüber hinaus auch für alle anderen immer ein guter Ansprechpartner. „Er war einer von uns, so ist er in Erinnerung geblieben“, stellt der heutige Prior fest.
Seligsprechungsverfahren
Bereits 1948 wurde in Münster das erste Seligsprechungsverfahren eröffnet. „Es sollte nach sorgfältiger Prüfung offiziell erklärt werden, was in der Verehrung bereits sichtbar wurde, dass Pater Titus aus und in der Liebe Gottes lebte“, erklärt Pater Ludger heute. Seit wenigen Jahren läuft ein neues Verfahren, das durch das Bistum Münster initiiert wurde. Aktuell wird in theologischer und historischer Perspektive geprüft, inwieweit der Dominikaner für sein Wirken als Märtyrer seliggesprochen werden kann. Mit der Koordination und den engen Absprachen zwischen Münster und dem Vatikan beauftragte das Bischöflich Münstersche Offizialat Pater Alfred J. Bell SSCC.
2026: Einladung zum Gottesdienst
Vor inzwischen neunzig Jahren ist der Ordenspriester Titus Horten in Gestapo-Gefangenschaft gestorben. Noch heute kommen die Menschen zum Gebet an sein Grab in der Dominikanerkirche Vechta. Am 90. Todestag soll ihm in einem feierlichen Gottesdienst gedacht werden. Für den 25. Januar 2026 um 11:00 Uhr laden das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta und der Konvent der Dominikaner zum Gedenken zu einem Pontifikalamt mit Weihbischof Wilfried Theising und mehreren Konzelebranten ein.
Johannes Hörnemann



