Solidarität sei eine christliche Kernaufgabe, „ohne das Bemühen um Gerechtigkeit ist jeder Gottesdienst wertlos“, berief sich der kommissarische Leiter des Bischöflich Münsterschen Offizialates auf den biblischen Propheten Amos. Kossen berichtete über Lebensumstände von Werkvertragsarbeitnehmern in der Fleischindustrie und in anderen Wirtschaftszweigen. „Durch den Missbrauch der Werkverträge und der Leiharbeit werden in Deutschland jeden Tag Hunderttausende vor allem osteuropäische Arbeitsmigranten systematisch ausgebeutet: Im Hotelgewerbe, in der Getränkeindustrie, im Gemüseanbau, bei den Regal-Einräumern mancher Discounter, auf den Großbaustellen, im Metallbau, bei den LKW-Fahrern und im Versandhandel“, referierte der Theologe und gab mit vielen Beispiele Einblicke in soziale Missstände und den Alltag derer, die mit der Hoffnung auf bessere Umstände nach Deutschland kämen.
„Maßlosigkeit und Gier haben in unserer Zeit zu schweren sozialen, ökologischen und ökonomischen Verwerfungen geführt“, erläuterte der Priester. Der Mensch werde vielfach herabgewürdigt zum Produktionsfaktor und zur Kostenstelle. Auch dort setze die Bewegung Wandelherz an, erläuterte Kossen. Die katholischen Verbände im Oldenburger Land würden dazu motivieren, dass Menschen anfangen ihr Herz zu wandeln. „Weg von Geiz und Habsucht, hin zu Gerechtigkeit und Rücksichtnahme. Alle sollen Leben können.“ In der Diskussion wurden von den Anwesenden verschiedene Verantwortliche benannt. Die Politik müsse Gesetze schaffen, heißt es. Der Handel habe die Fäden in der Hand, meinen andere. Eine Frau aus Dinklage sieht die Verbraucher in der Pflicht. „Am Ende wollen die unser Geld, wir sind da schon die größte Macht, es reicht nicht nach oben zu schimpfen“, betonte sie.
Prälat Kossen gab in seinem Vortrag Beispiele dafür, wie die Idee der Bewegung Wandelherz konkret werden könne, welche Möglichkeiten also Christen als Kunden hätten und im eigenen Umfeld beginnen könnten, Veränderungen herbeizuführen. „Fragen sie beim Händler an, auch per E-Mail, wo die Ware herkommt“, schlug er vor. Er motivierte dazu, Arbeitsmigranten aus der Isolation zu holen und fragte an, ob polnische Pflegekräfte in Nachbarschaften und Kirchengemeinden auftauchten oder stärker eingeladen werden könnten. Kossen warb dafür bewusst einzukaufen, Unrecht im Umfeld wahrzunehmen und fairen Handel im Verband zu stärken. Auch der Wahlkampf berge Gelegenheiten, Politiker auf Arbeitsbedingungen anzusprechen. „Ich lade Sie ein, dass Sie vor Ort die Ideen der Bewegung Wandelherz zum Thema machen, für ein besseres Leben für alle“, schloss Kossen.
Johannes Hörnemann
