„Höher, schneller, nasser“ - So hieß eine Schlagzeile kurz vor Beginn des Stoppelmarktes. Es ging hier um neue Fahrgeschäfte, Attraktionen: Das ultranormale Kettenkarussell reicht nicht mehr – es muss der „Bayern Tower“ mit 90 Metern Höhe sein. Klassiker werden „upgegradet“. Der „Break Dancer No. 2“ reiste mit acht zusätzlichen Gondeln an, um mehr Kapazität und höhere Rotationsgeschwindigkeiten zu bieten.
Nicht höher, schneller, nasser - aber: Höher, schneller, besser – scheint ein Prinzip für unsere moderne Leistungsgesellschaft geworden zu sein. Immer höher, immer mehr! Der Drang nach ständiger Optimierung und dem Übertreffen des Bisherigen ist allgegenwärtig.
Selbst die größte Verheißung unserer Tage, die Künstliche Intelligenz, wird primär über ihre Geschwindigkeit definiert. Sie verspricht, uns das Denken, das Schreiben und das Entscheiden in Sekundenschnelle abzunehmen, damit wir noch effizienter funktionieren können.
Gerade hier setzt Papst Leo an. Die Enzyklika „magnifca humanitas“ verteidigt die Würde des Menschen mit Nachdruck. Sie erinnert daran, dass der Mensch niemals auf seine Funktionen, Leistungen oder Berechnungen reduziert werden darf. Der Papst erinnert daher an eine Kernaussage christlicher Anthropologie: dass der Wert des Menschen nicht davon abhängt, „was er leistet oder produziert“.
Fragen wir uns einmal: Welches Menschenbild vertreten wir?
Vertreten wir das Bild eines Menschen, der möglichst optimiert werden soll? Fehlerfrei ist?
Oder sprechen wir eben von einem Menschen, der seine Grenzen und Schwächen hat, der verletzlich ist?
Menschsein passiert da, wo wir verletzlich sind, wo wir Fehler machen und sie uns und anderen verzeihen. Das macht doch gerade auch die Menschlichkeit aus.
Ich bin froh, umgeben von Menschen zu sein, die Fehler machen und sie zugeben. Die nicht mehr weiterwissen und daraus kein Geheimnis machen. Die zu ihren Verletzlichkeiten stehen, weil sie zu unserem Leben gehören.
KI wird wachsen – in Fähigkeiten, in Reichweite, in Selbstverständlichkeit – davon bin ich überzeugt.
Aufgabe aller Menschen ist, mitzuwachsen – in Menschlichkeit. Denn die vielleicht wichtigste Kompetenz der Zukunft ist, die Kunst, ein Mensch zu sein. Aber nicht nach dem Motto: Höher, schneller, besser!
Wenn wir das nächste Mal vor den rasanten Fahrgeschäften stehen oder im Alltag das Gefühl haben, nicht schnell genug zu sein, dürfen wir innehalten. Ein Gegenmotto könnte heißen: Tiefer, entschleunigter, bewusster leben! Der Mensch ist keine „Menschine“. Er ist alles andere als perfekt, doch von Gott angenommen und geliebt.
