Cloppenburg, Oldenburger Land, 8.4.; Für einen Tag tauschten rund 200 Lehrerinnen und Lehrer die Perspektive. Üblicherweise kümmern sie sich um die Bildung der Schülerinnen und Schüler. Am Mittwoch wechselten die Kollegien der vier katholischen Oberschulen im Rahmen einer großen Fortbildungsveranstaltung, einem sogenannten Barcamp, auf die Schulbank in der Marienschule Cloppenburg. Zum Bischöflich Münsterschen Offizialat (BMO) gehören neben der Marienschule die Franziskusschule Wilhelmshaven, die Paulus-Schule Oldenburg und die Ludgerus-Schule Vechta. Alle vier Schulen arbeiten seit vielen Jahren mit dem gemeinsamen Schulkonzept, das vom Titel „…weil Du so wertvoll bist“ geprägt ist. Zur Eröffnung des Barcamps, einer offenen Konferenzform, bei der die Teilnehmenden selbst das Programm gestalten, feierten die Lehrkräfte einen Gottesdienst mit Weihbischof Wilfried Theising in der St.-Josef-Kirche Cloppenburg.
Theising stellte in der Predigt die Frage nach dem individuellen Wert eines Menschen. Er betonte, dass es aus christlicher Sicht schlimm sei, wenn man diesen allein danach bemessen würde, was ein Mensch geleistet hat. „Gott ist der Garant, dass wir uns untereinander nicht messen müssen und nicht beweisen müssen, wer ist der Bessere, die Stärkere, der Intelligentere," betonte der Bischöfliche Offizial. Theising äußerte die Hoffnung, dass die Teilnehmenden am Ende des Tages des Miteinanders und des Austausches sagen können: "Ich habe etwas empfangen und ich habe vielleicht auch etwas weitergeben können."
„Für uns als Kollegien der vier Oberschulen ist es ganz wichtig, dass wir uns heute in diesem Rahmen treffen“, stellte Simone Hegger-Flatken, Schulleiterin der Marienschule Cloppenburg, fest. Es gehe darum, gemeinsam Schulentwicklung zu betreiben und die Grundideen des Projekts Schule weiterzuentwickeln. Zu insgesamt mehr als 50 Themen aus dem Themenfeld Oberschule und Unterricht gaben Lehrerinnen und Lehrer für ihre Kollegen Impulse und riefen verteilt auf vier Zeitfenster zur Diskussion und zum Austausch aus.
Die Veranstaltung in dieser Größenordnung sei nicht selbstverständlich, unterstrich Dr. Christian Schulte, Leiter der Abteilung Schule im BMO in der Eröffnung. Es sei ein Zeichen für Offenheit und für gemeinsame Verantwortung, „die wir für Qualität von Schule und Unterricht tragen“, sagte er. Im Mittelpunkt der Arbeit der Oberschulen stehen drei zentrale Bereiche: „Die Stärkung der Basiskompetenzen, das projektorientierte Lernen sowie das lebenspraktische Lernen.“ Ein Fokus im Schulkonzept liege auf der Wochenplanarbeit, die Chancen für Selbstverantwortung biete, aber die Akteure auch vor Herausforderungen stelle. Diesen widme man sich mit dem Barcamp. Nicht, indem man fertige Unterrichtskonzepte übernehme, sondern dadurch, dass man voneinander lerne und von Erfahrungen anderer profitiere.
In einem der Zeitfenster stellte beispielsweise Jannis Buschenlange, didaktischer Leiter der Marienschule, eine Unterrichtsreihe zum Thema „Das politische System in Deutschland“ zur Diskussion. Das Konzept wurde für den fächerverbindenden Unterricht in Deutsch, Geschichte und Politik in Klasse 9 entwickelt. Damit erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler die theoretischen Inhalte, wie zum Parteiensystem, zum Verfassungsgericht oder zum Gesetzgebungsverfahren, selbst. Ihre Ergebnisse stellten sie jeweils in kurzen Erklärfilmen, Tondokumenten oder sogar einer fiktiven Pressekonferenz vor. Das Ergebnis der anschließenden Überprüfung sei hervorragend gewesen, berichtete der Lehrer seinen Kollegen. Fast wie von selbst kamen die Teilnehmenden im Klassenzimmer schulübergreifend in den Austausch über viele konkrete Fragen aus der Unterrichtspraxis.
Johannes Hörnemann





