Bischöflich Münstersches Offizialat
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Symbolbild, Kirchenmusik

Kirchenmusik - jetzt erst recht

Mütterlicher Trost

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von Dietrich Buxtehude (1637-1707), Membra Jesu 2. Ad Genua, Ad Ubera portabimi

Buxtehudes „Membra Jesu Nostri“ ist ein Zyklus mit sieben Kantaten zur Passion Jesu Christi. Der volle Titel lautet eigentlich „Membra Jesu nostri patientis sanctissima“ und bedeutet soviel wie „Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus“. Die sieben Kantaten sind jeweils einer Körperpartie des Gekreuzigten gewidmet: Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz, Gesicht. Der Zyklus beginnt mit den Füßen und endet beim Gesicht, von unten nach oben und auch nach innen, vom Kör-perlichen letztlich ins Seelische. Er zeigt im Aufbau eine Parallele zu aus der Vagantenlyrik bekannten Prinzipien: Minnesänger besaßen als Grundgerüst für ihre Lieder über eine unerreichbare Angebetete genau dasselbe Konzept. Sie fingen bei den Füßen an und beschrieben in einem Lied den gesamten Körper der Verehrten streng aufwärtsstrebend. Somit ist der Kantatenzyklus auf gewisse Weise eine Liebeserklärung.

Das hier ausgewählte Stück aus dem 2. Satz richtet sich an die Knie des Gekreuzigten: „Ad Genua“. Bevor sich die folgenden Arien direkt an den Gekreuzigten wenden, wird aus der Bibelstelle Jesaja 66 zitiert. Dort wird dem nach dem Babylonischen Exil als Glaubensgemeinschaft wieder im Heimatland lebenden Volk Israel die Hauptstadt Jerusalem als Mutter und Trösterin empfohlen: „Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.“ Wörtlich aus dem lateinischen Text sogar: an den Brüsten werdet ihr getragen.  
Vorgeschaltet ist diesem Chorstück eine instrumentale Einleitung, die mit ihrer Vorhaltsharmonik und Tremolo-Spielweise einen paradoxen, zugleich wiegenden und zärtlichen sowie auch schmerzvollen Charakter erhält.

Autor

Vorgestellt am 27. März von Thorsten Konigorski.

Ein Stück im Rahmen der Serie "Kirchenmusik - Jetzt erst recht

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Thorsten Konigorski

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