Bischöflich Münstersches Offizialat
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19. Dezember 2019 - Vechta

Wort zur Weihnacht 2019

Niemand wird bestreiten, dass politisch, gesellschaftlich und auch ökologisch sowohl in unserem Lande, als auch weltweit einiges in Bewegung ist. Die einen sprechen von Wandel, andere von Krise. Viele sind in Sorge. Dass sich das Rad der Geschichte und die Erde weiterdrehen, versteht sich von selbst. Nur in welche Richtung, in welche Zukunft? Ein zunehmender Nationalismus, wachsende Radikalisierung und Hemmungslosigkeit in Wort und Tat und das Klima in der Krise sind wohl nur die geläufigsten Schlagworte.

Weihbischof

Weihbischof Wilfried Theising

Mir scheint manchmal, dass wir das rechte Maß verloren haben, denn ich glaube, dass sich hinter all diesen Schlagworten ursächlich menschliche Maßlosigkeit verbirgt. Ein Zuviel an Egoismus und Angst, ein Zuwenig an Empathie und Mut. Ein Zuviel an Respektlosigkeit, ein Zuwenig an Achtung und Wertschätzung. Ein Zuviel an Haben müssen und verbrauchen, ein Zuwenig an Verzicht und Schonung. Im Kleinen fängt es an, am Ende steht das Extrem. Schon Leonardo da Vinci wusste: „Das Glück besteht darin, in dem zur Maßlosigkeit neigendem Leben das rechte Maß zu finden.“ Es scheint in der menschlichen Natur zu liegen, die Grenzen des gesunden Maßes immer wieder zu überschreiten. Das ist das Ärgernis unserer Freiheit. Keiner reguliert uns in dem, was zu wenig und was zu viel ist. Nicht von ungefähr ist die Mäßigung in der Tradition des Christentums eine der vier sogenannten Kardinaltugenden. Doch woran Maß nehmen? Wer oder was ist der Bezugspunkt, die Mitte, an der Orientierung möglich ist?

Weihnachten schenkt uns Jesus Christus. Geboren in der Mitte der Nacht. Gesandt, den Himmel auf Erden anzukündigen. Gekommen, um Menschen aus Armut, Angst und Verlorenheit zu befreien. Sich klein gemacht und unsere Schuld auf sich genommen, damit wir groß und heil werden. Gestorben, damit wir das Leben haben. Auferstanden, um dem Tod das letzte Wort zu nehmen, ein für allemal.

Jesu Christi Leben und Wirken, sein Sterben und Auferstehen sind das große Angebot Gottes an uns, in aller Freiheit daran Maß zu nehmen. Zu erkennen, dass im Leben für andere mehr Segen liegt als im Leben nur für sich. Dass Respekt und Achtung mehr Miteinander schaffen als hasserfüllte Kommentare. Dass die Bewahrung der Schöpfung Zukunft und Frieden sichert.

Dabei ist maßvolles Denken und Handeln alles andere als mittelmäßig. Das Kind in der Krippe fordert radikale Umkehr und setzt sein Leben dafür ein. Doch nicht und niemals mit Gewalt, sondern aus Liebe. Aus Liebe, für die allein es kein Maß geben kann, da auch Gott unendlich ist.

An Jesus Christus Maß nehmen bedeutet, an der Liebe Maß zu nehmen. Sie allem Denken und Handeln zu Grunde legen. Mit ihren Augen die Menschen und die Welt sehen.

Weihnachten erinnert jedes Jahr daran, dass die Liebe das Maß der Dinge ist. Nicht Hass und Egoismus, nicht Respektlosigkeit und Verschwendung. Jedoch radikal. Denn Gott wird Mensch, ganz und gar. Frohe Weihnachten!

Ihr
Wilfried Theising
Bischöflicher Offizial und Weihbischof

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