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06. Mai 2019 - Löningen

Über Moral, Glaubwürdigkeit und Zukunft der Kirche

Weihbischof spricht beim Löninger Sozialforum

Über die Liebe, Ehe und Familie und kirchliche (Sexual-)Moral sprach Weihbischof Wilfried Theising vergangenen Donnerstag auf Einladung der kirchlichen Sozialverbände beim 7. Löninger Sozialforum. Themen, die Papst Franziskus 2016 in seiner Enzyklika Amoris Laetitia (= Die Freude der Liebe) aufgegriffen hatte. Im Anschluss stellte sich Theising offen allen Fragen der ca. einhundert Zuhörer. Dabei ging es vor allem um die Glaubwürdigkeit und Zukunft der Kirche.

Gruppenbild mit Weihbischof

v.l. Clemens Olberding (Komitee der Verbände), Dorle Schnelle (Erwachsenenbildungswerk), Norbert Flerlage (KAB), Gregor Brümmer (Kolping), Weihbischof Wilfried Theising, Thomas Kastler (KAB), Gertrud Möller (kfd), und Dechant Berthold Kerkhoff

Weihbischof beim Sozialforum

Weihbischof Wilfried Theising spricht beim 7. Löninger Sozialforum

Weihbischof beim Sozialforum

„Amoris Laetitia“ würde viele Inspiration für die tägliche Arbeit in Kirche und Familie liefern, sagte Theising. Im Gegensatz zu früheren päpstlichen Lehrschreiben zeichne sich das Schreiben durch seine verständliche Sprache aus. Der Papst spreche viele Tabus an und gehe unmittelbar in die Lebenswelten der Menschen hinein. Er fordere dazu auf, Brüche in Lebensläufen, Streit zwischen Eltern und Kindern, Trennungen, Patchworkfamilien oder auch wiederverheiratet Geschiedene als Realität wahrzunehmen. „Der Papst ermutigt: Nehmt das erst einmal zu Kenntnis, auch wenn es nicht Euren Vorstellungen entspricht. Es gibt kaum eine Situation, in der alles in Ordnung ist“, sagte Theising.

Der Papst, so fuhr er fort, lege viel Wert auf das persönliche Gewissen. Das könne auch von der Lehre der Kirche abweichen. „Wir können nicht alle nach Hause schicken, die ein anderes Wertesystem haben als wir“, machte Theising klar. „Es wäre eine unerträgliche Kirche, wenn wir immer nur die um uns herum scharen würden, die vermeintlich perfekt sind.“ Amoris laetitia sei ein Meilenstein in der pastoralen Begleitung von Ehe und Familie. Das zeige sich auch im Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen. Hier rate Franziskus von einer entweder-oder Bewertung ab, sagte Theising. Viele der Betroffenen seien gläubig und empfänden die Kommunion als Heilmittel. Franziskus lege daher die Entscheidung darüber, ob sie weiterhin die Kommunion empfangen dürften, in die Hände ihrer Seelsorger.  

Der anschließenden Fragerunde stellte sich Theising ohne Vorbehalte. Bei der Beichte habe die Kirche in der Vergangenheit viel falsch gemacht, räumte er ein. Auch er selbst berichtete von unangenehmen Erinnerungen aus seiner Jugendzeit. Meinungsverschiedenheiten in der Bischofskonferenz räumte er ein. Das sei aber normal bei einem großen Gremium. Hinsichtlich finanzieller Transparenz sehe er die Kirche im Oldenburger Land angesichts bestehender Gremien und Kontrollorgane gut aufgestellt. Der größere Teil der Kirchensteuern komme den Gemeinden vor Ort zu gute.

Viele Fragen gab es zum sexuellen Missbrauch. Im Oldenburger Land werde seit Jahren viel im Präventionsbereich getan – über 10.000 Personen seien in den letzten Jahren geschult worden – aber der Missbrauch habe die Kirche viel Vertrauen gekostet und werde sie über Generationen verändern, räumte Theising ein. Bei solchen Verfehlungen habe die Kirche aufgrund ihrer Verkündigung eine große Falltiefe, gab er zu. Die Austrittszahlen hätten im letzten Jahr deswegen eine Rekordhöhe erreicht. Und ob der Zölibat noch zeitgemäß sei? Theising meinte ja. Für ihn sei es damals eine sehr schwere Entscheidung gewesen, gab er zu. Aber er habe es freiwillig gemacht und müsse deswegen nicht bedauert werden. Er sehe aber auch, dass einige Priester mit dem Zölibat Schwierigkeiten hätten, ihn nicht einhalten könnten oder vereinsamen.

Die Stimmung des Publikums traf nach einer Stunde Diskussion Clemens Oberding, Vorsitzender des Komitees der Verbände. „Wir dürfen uns als Kirche nicht immer nur verteidigen, sondern müssen wieder mehr offensiv nach außen gehen und unsere Stärken zeigen. Dann habe ich um die Zukunft der Kirche keine Angst.“

Ludger Heuer

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