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22. Mai 2014 - Vechta

Der Medicus von Vechta

Offizialatsarchivar Peter Sieve präsentiert Buch über Physikus Jacobi

Vechta, 22.5.: Fast zehn Jahre hatte Peter Sieve, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Offizialatsarchiv Vechta, an dem Buch gearbeitet. In seiner Freizeit hatte er für die Aufarbeitung der Geschichte des 1813 verstorbenen Dr. Franz Joseph Jacobi Archive in Oldenburg, Osnabrück, Münster, Dinklage und Vechta aufgesucht.

Peter Sieve mit seinem neuen Buch

Peter Sieve mit seinem Buch „Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster“

Herausgekommen ist eine detaillierte und höchst lebendige Lebensbeschreibung des 1734 in Polen als Sohn jüdischer Eltern geborenen und später zum Christentum übergetretenen Jacobi.

Seit einem Volontariat in Israel 1987, bei dem er im sozialen Dienst viele Juden aus Deutschland, Polen, dem Jemen, Marokko und Indien kennenlernen durfte, fasziniere ihn die Kultur des Judentums, erklärt Sieve. Daher reizte ihn Jacobis Geschichte sehr, als sie ihm das erste Mal begegnete. Obwohl Jacobi vier Jahrzehnte lang die Hauptverantwortung für die ärztliche Versorgung des Amtes Vechta getragen hat und insofern der direkte Amtsvorgänger des jetzigen Leiters des Gesundheitsamtes war, und obwohl er durch eine Stiftung die Schulbildung der Kinder in Dinklage und in Quakenbrück erheblich gefördert hat, fand Sieve kaum Spuren von ihm in der Geschichtsschreibung des Oldenburger Münsterlandes.

Ungewöhnlich an Jacobi war auch, dass er 1785 Theresia von Schilling geheiratet hat. Die Ehe einer Adelstochter mit einem Beamten war damals schon eine Ausnahme, in diesem Fall kam aber noch hinzu, dass der Bräutigam ein getaufter Jude war.

Einer der wertvollsten Funde bei den Archivrecherchen war ein eigenhändiger Bericht Jacobis in lateinischer Sprache über die Umstände seiner Konversion vom Judentum zum katholischen Glauben

Einer der wertvollsten Funde bei den Archivrecherchen war ein eigenhändiger Bericht Jacobis in lateinischer Sprache über die Umstände seiner Konversion vom Judentum zum katholischen Glauben, erklärt Sieve. Jacobis Vater, ein armer jüdischer Schriftgelehrter, war mit dem Sohn nach Deutschland gezogen, um seinen Unterhalt als Lehrer in jüdischen Gemeinden zu verdienen. Über Potsdam kam der Sohn nach Amsterdam und Münster. Nach dem Siebenjährigen Krieg studierte er ab 1765 in Groningen und Wien Medizin. 1771 legte er an der Universität Erlangen seine Dissertation über Hautkrankheiten ab.
Über Kontakte zur Familie v. Galen, die in auch finanziell unterstützte, bekam Jacobi 1771 die Stelle eines Amtsphysicus bzw. Amtsmedicus in Vechta. Zu dieser Zeit war er als der einzige akademisch gebildete Mediziner im ganzen Amt Vechta zuständig für eine Bevölkerung von 22.000 Menschen und daher einer der wichtigsten landesherrlichen Beamten. Allerdings waren Mediziner damals nur für innere Krankheiten zuständig. Um äußere Verletzungen, Aderlässe, Zahnziehen und Ähnliches kümmerten sich handwerklich ausgebildete Wundärzte (Chirurgen). Zu den Hauptaufgaben Jacobis gehörten die Behandlung von Kranken, die Arbeit als Gerichtsmediziner, die Oberaufsicht über die Apotheke in Vechta, die Berichterstattung für das Medizinalkollegium in Münster und die Bekämpfung von Epidemien. Besonders schlimm waren zyklisch wiederkehrenden Pockenepidemien, an der z.B. in Vechta 1780 innerhalb weniger Wochen 24 Kinder starben.
Das Buch „Dr. Franz Joseph Jacobi – ein Amtsmedicus jüdischer Herkunft im Fürstbistum Münster“ ist als Band 29 der Oldenburger Forschungen im Isensee Verlag Oldenburg erschienen. Es hat 160 Seiten, 35 Abbildungen und kostet im Buchhandel 16 Euro.
Ludger Heuer


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