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Pastorale Räume: Wo stehen wir, Herr Eilers?

13. Juni 2023

Nach der Entscheidung des Bischofs: Wie wird der Pastorale Raum Realität? Was sind die Schritte bis zur Errichtung der Pastoralen Räume? Die wichtigsten Fragen beantwortet Günter Eilers, externer Projektleiter für die Entwicklung der Pastoralen Räume im Offizialatsbezirk Oldenburg.

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Günter Eilers ist Projektleiter für die Entwicklung der Pastoralen Räume im Offizialatsbezirk Oldenburg.

Viele Menschen sitzen in einem RaumGroßansicht öffnen

Konzentriertes Zuhören und engagierte Diskussion: Die Regionalkonferenz im künftigen Pastoralen Raum Cloppenburg-Löningen am 7. Juni.

Herr Eilers, das Bistum Münster wird Pastorale Räume einführen. Sie sind als externer Projektleiter mit der Entwicklung der Pastoralen Räume im Oldenburger Land beauftragt. Wo stehen wir derzeit?

Wir erleben in der Kirche in ganz Europa fundamentale Veränderungen: Lebensmodelle und Lebensverläufe werden vielfältiger und die Menschen binden sich nicht mehr so sehr an Organisationen, wie das noch vor zwei oder drei Generationen der Fall war. Diese Trends betreffen auch die Kirchen. So werden zentrale Inhalte des christlichen Glaubens nicht mehr einfach so geteilt. Wir sehen daher, dass die Christen in Deutschland auf einem Weg in die Minderheit sind. 

Da auch das Personal für die Seelsorge in den kommenden Jahren weniger wird, hat Bischof Genn frühzeitig reagiert und die Gründung von Pastoralen Räumen angestoßen. Im Oldenburger Land gab es seitdem eine persönliche Informationsoffensive: Weihbischof Theising und Dr. Markus Wonka, Leiter der Abteilungen Seelsorge und Seelsorge-Personal, haben in den Dekanaten und in allen Pfarreien des Oldenburger Landes über die anstehenden Herausforderungen informiert. Das waren konstruktive Gespräche – auch wenn manchem angesichts der Wucht der Veränderungen, die auf uns als Kirche zukommen, etwas mulmig wird.

 

Bischof Dr. Felix Genn hat kürzlich über den geographischen Zuschnitt der Pastoralen Räume entschieden. Und jetzt? Wie wird die Idee mit Leben gefüllt?

Wir sind schon mittendrin, die Pastoralen Räume zwischen Damme und Wangerooge mit Leben zu füllen: Im Mai und Juni haben wir in allen künftigen Pastoralen Räumen Regionalkonferenzen durchgeführt. Daran beteiligt waren aus den Pfarreien die leitenden Pfarrer, weitere Vertreter des Seelsorge-Personals, der Kirchenausschüsse und Pfarreiräte. 

Finanzdirektor Michael gr. Hackmann, Dr. Markus Wonka und ich haben mit den Vertretern der Pfarreien über die Herausforderungen der Kirche in unserer Zeit gesprochen und transparent informiert darüber, was wie als nächstes ansteht. Die Informationen finden sich jetzt alle auch auf der Homepage des BMO und im neuen Newsletter zur Kirchenentwicklung im Oldenburger Land (Anmeldung hier). 

Fest steht: Es wird keine weiteren Fusionen von Pfarreien geben. Die Pastoralen Räume brauchen aber einen Rahmen und einen Rechtsträger. So wird Weihbischof Theising im Oldenburger Land zum 1. Januar 2024 sechs Kirchengemeindeverbände errichten. Die Gremien aller Pfarreien entscheiden bis Ende September 2023 über ihren Beitritt zum jeweiligen Kirchengemeindeverbund. Damit haben die Pfarreien alle Möglichkeiten, gemeinsam und selbständig die in Zukunft anstehenden Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen.

Da bei den Kitas der größte Handlungsbedarf vorliegt, können die Pfarreien ab dem 1. August 2024, also zum übernächsten Kindergartenjahr dann ihre Kitas gemeinsam verwalten. Das wird für die Pfarreien eine erste enorme Entlastung sein – und Kapazitäten freimachen für die Seelsorge-Arbeit vor Ort. 

 

Sie sind Freiberufler und betonen, dass sie als externer Projektleiter nur mit 5 Tagen im Monat berufen sind. Aber Sie kennen sich gut in der Kirche aus – und auch der Nordwesten ist Ihnen nicht fremd. Erzählen Sie uns doch bitte etwas von sich! 

Bevor ich mich vor 12 Jahren als Organisationsentwickler, Coach und Moderator selbstständig gemacht habe, war ich als Theologe und Pädagoge 27 Jahre in Diensten des Bistums Essen, unter anderem verantwortlich in der strategischen Personalentwicklung. Als Freiberufler begleite ich in den letzten Jahren viele caritative, kirchliche und soziale Einrichtungen bei Veränderungsprozessen. Zuletzt trug ich Verantwortung für den Aufbau eines gemeinsamen Trägers für alle Kitas im Erzbistum Berlin.

Wenn ich mal nicht über Pastorale Räume nachdenke, bin ich leidenschaftlicher Fußballfan und stolzer Großvater und Vater. Und einen Hinweis will ich auch noch loswerden: Meine Familie kommt ursprünglich aus dem Emsland. Wer sich also auf Plattdeutsch in meiner Anwesenheit austauscht, dem sei gesagt: Ich verstehe alles!

 

Fragen der Seelsorge-Struktur sind wichtig. Gläubige, Ehren- und Hauptamtliche haben aber daneben und vor allem viele inhaltliche Fragen – auch Sorgen – bezüglich der Entwicklung der Kirche. Inwiefern geben die Pastoralen Räume darauf eine Antwort?

Erlauben Sie mir einen kurzen Werbehinweis: Beim „Oldenburger Zukunftsforum“ am 24. Juni in Oldenburg stehen all die drängenden Fragen der kirchlichen Veränderung und der Kirchenentwicklung im Blickpunkt. Das wird ein ganz spannendes Format. Wer sich noch nicht angemeldet hat, sollte das jetzt noch schnell machen!

Und nun zur Sache: Die Christen werden weniger. Die Bedeutung in der Gesellschaft verändert sich. Die Plausibilität von Glauben nimmt immer mehr ab. 

Wir schauen aber nach vorne. So wichtig die strukturellen Fragen zu diesem Zeitpunkt auch sind: Die eigentlich entscheidende Herausforderung der Kirchenentwicklung steht in den kommenden Jahren in den Pastoralen Räumen an. Das BMO und die Bildungshäuser im Oldenburger Land werden die Pfarreien tatkräftig unterstützen. Manches wird zu Ende gehen, in anderen Fällen wird es neue mutige Aufbrüche geben. Eines ist ganz klar: Das Gesicht der Kirche der Zukunft entwickeln die engagierten Christinnen und Christen vor Ort neu!

 

Das Interview führte Philipp Ebert, Pressesprecher des BMO