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12. Januar 2015 - Vechta

Laien haben Power

Brasilianischer Bischof fühlt sich Südoldenburg eng verbunden

Er verlässt ein warmes sonniges Land, um für fast zehn Tage auf Einladung von Weihbischof Heinrich Timmerevers Winterurlaub im nasskalten Südoldenburg zu machen. Doch Leonardo Ulrich Steiner (65), Weihbischof von Brasilia, fühlt sich der norddeutschen Region seit vielen Jahren verbunden.

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Leonardo Ulrich Steiner, Weihbischof von Brasilia, übernimmt die Urlaubsvertretung in Rechterfeld und Visbek

Seit 1997 nimmt er Urlaubsvertretungen in Rechterfeld und Visbek wahr. Der damalige Visbeker Pfarrer Heinrich Timmerevers hatte den Visbeker Franziskaner Johannes Bahlmann gefragt, ob er ihm dafür einen Ordensbruder vermitteln könne. In Steiner, den Bahlmann aus Rom kannte und der in einer deutschstämmigen Familie in Brasilien aufgewachsen war, fand sich ein geeigneter Kandidat. „Dort hast Du sehr viel Zeit, es ist ruhig und nicht so warm“, köderte ihn Bahlmann. Dass alle drei Priester später Bischöfe werden würden, konnten sie damals noch nicht ahnen.

Diese Urlaubvertretungen kann Steiner nicht mehr regelmäßig wahrnehmen, seit er 2003 Professor an der Philosophischen Hochschule São Boaventura in Cristo Rei wurde und ab 2005 hohe Kirchenpositionen bekleidete. „Doch seit meinem ersten Besuch hat sich eine intensive Freundschaft zu vielen Menschen in Rechterfeld und Visbek entwickelt“, sagt Steiner. Die Kontaktpflege ist ihm wichtig. Bei jedem Besuch geht er dort auf den Friedhof und schaut, wer zwischenzeitlich verstorben ist. Beide Gemeinden unterstützen noch heute soziale und pastorale Projekte in São Félix.

2005 berief Papst Johannes Paul II. Steiner zum Prälaten der Territorialprälatur São Félix im Bundesstaat Mato Grosso. In der Prälatur mit einer Fläche von über 150.000 km² (zehnfache Fläche des Bistums Münster) engagierte sich Steiner in der Nachfolge des Befreiungstheologen Pedro Casaldáliga Plá für Landlose und Indios. 2011 wählte ihn die brasilianische Bischofskonferenz für vier Jahre zu ihrem Generalsekretär. Die Konferenz hat fast dreihundert Mitglieder und repräsentiert mit ca. 140 Millionen Gläubigen die größte Landeskirche in der römisch-katholischen Kirche. Wenige Monate später ernannte Papst Benedikt XVI. ihn zum Weihbischof in Brasília.

Die Mentalitäten und Kulturen in diesem riesigen Land seien schon sehr unterschiedlich, erklärt Steiner. Während im Süden eine europäische Mentalität von deutschen, italienischen und polnischen Einwanderern dominiere, gäbe es im Norden ein Bistum mit 96 Prozent Indios, im Nordwesten und in der Mitte des Landes sei es wieder ganz anders. Dieser Mentalitätenmix spiegle sich auch in der Bischofskonferenz wider. Noch dazu habe die Hälfte der Bischöfe einen Migrationshintergrund oder sie seien Ausländer. „Die Arbeit in der Bischofskonferenz ist nicht immer ganz leicht“, gibt er zu. „An der Kollegialität müssen wir noch arbeiten, aber wir sprechen miteinander“, betont er.

Missionarische Kirche in Brasilien

Die deutsche Kirche sei besser organisiert, doch Steiner sieht sie als Kirche auf der Suche nach dem richtigen Weg, das Evangelium zu verkünden. Die technische und wissenschaftliche Mentalität, die in Europa den Glauben dominiere, sei in Brasilien in größeren Städten inzwischen auch zu spüren. Doch ansonsten sei die brasilianische mehr eine missionarische Kirche, die mit den Armen lebe und ihnen Hoffnung und Gerechtigkeit schenken wolle. „Christsein ist nicht Moral, Christsein ist mehr. Es ist was Schönes, was Tiefes, was uns Hoffnung gibt. Christsein ist eine Beziehung mit Gott“, erklärt Steiner. „Jeder, der getauft ist, ist ein Missionar“. Das könne die deutsche Kirche von der brasilianischen Kirche lernen. Dafür habe die brasilianische Kirche die soziale Großzügigkeit von der deutschen Kirche gelernt. So versorge seine Kirche zigtausend haitianische Flüchtlinge, die über Kolumbien ins Land kämen, mit Papieren, Geld und Lebensmittel. Auch auf dem Gesundheitssektor betreibe sie politische Lobbyarbeit. Besonders arme Menschen, sagt Steiner, hätten hier große Schwierigkeiten.

Priestermangel ist auch in Brasilien ein Thema, fast sechzig Prozent der Gemeinden könnten nur Wortgottesdienste feiern. Daher käme Laien eine sehr große Bedeutung zu. „Laien sollen sich als Mitglieder der Kirche fühlen. Wir sind alle Kirche. Es geht nicht um Macht, sondern darum, den Menschen dienen und sie zu lieben“, sagt der Weihbischof. „Wir brauchen die pastorale Arbeit der Laien. Laien haben Power“.

Ludger Heuer