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11. März 2019 - Stapelfeld

Klein, aber wachsend

Bischof Timmerevers berichtet von der katholischen Kirche im Bistum Dresden-Meißen

Auf seinem Weg zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen machte der langjährige Vechtaer Weihbischof und heutige Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, gestern in der Katholischen Akademie Stapelfeld Station. Auf Einladung von Pfarrer Dr. Marc Röbel sprach er in der Reihe der (Un-)Glaubensgespräche vor ca. 150 Zuhörern über die Situation der Kirche in seinem Bistum. Er müsse erst einmal Luft holen bei so vielen bekannten Gesichtern, meinte er. In der Pause musste er dann viele Hände schütteln.

Timmerevers
Timmerevers beim Vortrag
Timmerevers begrüßt Zuhörer

In der Pause musste der ehemalige Vechtaer Weihbischof viele Hände schütteln

Timmerevrs und Pfarrer Röbel

Bischof Timmerevers musste viele Fragen beantworten. Links Moderator Pfarrer Dr. Marc Röbel

„Wenn Sie in Sachsen einen Menschen auf der Straße fragen: Sind sie katholisch oder evangelisch, sagt der vielleicht: weder noch. Ich bin normal“, verdeutlichte er gleich die Situation. 3,5 Prozent der Bevölkerung Sachsens seien katholisch, 18 Prozent evangelisch. Die meisten seien konfessionslos. „Viele Menschen haben überhaupt keine Erfahrung mit der Kirche“. Das könne es manchmal sogar leichter machen, lachte Timmerevers. Einige sagten, in Sachsen hätten die Menschen vergessen, dass sie Gott vergessen haben, erzählte er. Interessanterweise bezeichne sich aber in Umfragen nur ein Viertel der Menschen als atheistisch, und ein Drittel als christlich - auch wenn sie nicht getauft sind.

Sehr einfühlsam beschrieb Timmerevers die Ängste und schlechten Erfahrungen der ehemaligen DDR-Bevölkerung mit den Folgen der Wiedervereinigung. Dafür wurde er in der anschließenden Fragerunde ausdrücklich vom Publikum gelobt. Den Begriff der „Wende“ habe er schnell aus seinem Vokabular streichen müssen.  Die Menschen in Sachsen sprächen dafür von der friedlichen Revolution, die sie selbst herbeigeführt hätten. „Wir im Westen hatten damals nichts verloren. Viele im Osten aber haben ihre Arbeitsplätze, ihre soziale Sicherheit und ihre Identität verloren“, und fühlten sich von der BRD geschluckt, verdeutlichte er die Einstellung. Noch heute seien ganze Landstriche von jungen Leuten entvölkert. Er erlebe auch den großen Hass vieler Menschen auf die Regierung und die Bundeskanzlerin bezüglich der Flüchtlingspolitik. Dort gebe es viele Verlustängste. „Wir wissen nicht, wo das endet.“  

Timmerevers erzählte viele Beispiele von Glaubenszeugnissen, die ihn immer wieder sehr berühren würden. Die Kirche im Osten sei im Gegensatz zu vielen Regionen in Westdeutschland im stetigen Wachstum begriffen. Das schönste für ihn sei es daher, dem lieben Gott bei der Arbeit zuzuschauen. So habe er erst vor kurzem 45 Erwachsene getroffen, die in der letzten Osternacht in der Propsteikirche getauft worden seien. In der kommenden Osternacht würden über 60 Erwachsene getauft, dazu noch ca. 15, die zum katholischen Glauben konvertieren. Er erzählte von der religiösen Kinderwoche mit 2.000 Teilnehmern, einer Kinderwallfahrt mit 1.200 Kindern und einer Romfahrt mit 840 Messdienern. „Überwältigend“, sagte er.  

Die Fusionen der Kirchengemeinden stünden seinem Bistum noch bevor. Eine XXL-Pfarrei sei dann aber keine mit 25.000 Katholiken, sondern eine wie Riesa, die bei 3.000 Katholiken eine Längenausdehnung von über 90 Kilometern mit nur drei Kirchstandorten habe. Er vermisse es nicht, dass sein Bistum nur wenige Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser trage. „Wir sind eine kleine Kirche ohne institutionelle Macht.“ Hinsichtlich der Priesterzahlen sei sein Bistum mit nur 140.000 Katholiken sehr gut aufgestellt. Er habe ca. 90 Priester im aktiven Dienst, dazu 45 Gemeindereferenten. Indische Geistliche gäbe es nicht, dafür einige Polen, die aber schon sehr lange hier leben würden und ihre Ausbildung hier gemacht hätten. Und acht Priesteramtskandidaten seien ein stolze Zahl, meinte er. Drei weitere kämen im Herbst sogar noch hinzu. „Wir müssen daher nicht etwas „noch halten“, sondern wir können es langsam aufbauen. Das macht richtig Spaß“, lachte er.

Ludger Heuer

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