Bischöflich Münstersches Offizialat
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31. Oktober 2019 - Cloppenburg

Gemeinsam statt getrennt

Kirchen feiern zentrale ökumenische Veranstaltung zum Reformationstag

Zum zweiten Mal hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen (ACKN) anlässlich des gestrigen Reformationstages zu einer zentralen ökumenischen Veranstaltung des Oldenburger Landes eingeladen. Im Mittelpunkt standen nicht die großen Kirchen des Oldenburger Landes, sondern mit den Baptisten und der Neuapostolischen Kirche (NAK) zwei kleine Religionsgemeinschaften. Die Veranstaltung in der St. Josef Kirche, zu der über 300 Zuhörer - unter ihnen aus Delmenhorst auch Julius Dr. Hanna Ayd?n, Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland - kamen, erwies sich als eine hochinteressante Lehrstunde über die Vielfalt der Religionen.

Podiumsrunde zu den kleinen Kirchen

Podiumsrunde mit v.l. Pfarrerin Sabine Spieker-Lauhöfer, Dr. Gabriele Lachner, Pastor Martin Seydlitz und Apostel Dirk Schulz

Beim Segen nach der Andacht

Beim Segen v.l. Pfarrer Andreas Pauly, Pastor Martin Seydlitz, Weihbischof Wilfried Theising und Apostel Dirk Schulz

Gruppenbild

v.l. Pfarrer Bernd Strickmann (kath.), Dr. Gabriele Lachner (ACKN), Pfarrer Andreas Pauly (ev.-luth.), Apostel Dirk Schulz, Erzbischof Aydın, Pastor Martin Seydlitz, Pfarrerin Sabine Spieker-Lauhöfer, Bischof Thomas Adomeit und Weihbischof Wilfried Theising.

Unter Moderation der ev.-luth. Pfarrerin Sabine Spieker-Lauhöfer aus Oldenburg und Dr. Gabriele Lachner von der ACKN stellten der Oldenburger Pastor Martin Seydlitz von der ev.- Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) und Apostel Dirk Schulz von der NAK aus Hamburg Glaubensinhalte und Strukturen ihrer Kirchen vor. Zur musikalischen Unterstützung hatten beide Chöre ihrer Gemeinden mitgebracht, die Orgel spielte Nikolas Bäumer. Die NAK gehört seit diesem Jahr der ACKN an und beteiligt sich seitdem am ökumenischen Austausch. Die vielen Nachfragen der Zuhörer zeigten das große Interesse an den ihnen unbekannten Kirchen. Auch Seydlitz und Schulz mussten immer wieder erstaunt einräumen, wie wenig sie über die jeweils andere Kirche wussten.

Wer hätte noch vor fünf Jahren gedacht, dass eine solche Veranstaltung zum Reformationsfest in einer katholischen Kirche stattfinden könne, fragte Thomas Adomeit, Bischof der ev. luth. Landeskirche Oldenburg, in seiner Begrüßung. Die Reformation sei für eine gemeinsame Kirche ein großer Stolperstein gewesen. „Heute aber können wir uns austauschen und voneinander lernen“, freute er sich. „Heute können wir die Zukunft gestalten – gemeinsam statt getrennt.“

Der Abend widmete sich der Suche nach der Wahrheit. Vor gut 500 Jahren hätte sich die Kirche an vielen Wahrheitsfragen entzweit, sagten Spieker-Lauhöfer und Lachner. Gestritten wurde nicht nur über den Ablass, sondern auch darüber, wie Jesus in Brot und Wein gegenwärtig sei, ob man dem Gewissen mehr folgen müsse als dem Wort kirchlicher Würdenträger oder ob man mehr gute Werke tun müsse oder Gottes Gnade allein reiche. Ihre Gesprächspartner Pastor Seydlitz und Apostel Schulz - im Rang ist er einem katholischen Bischof vergleichbar, baten sie, diese Punkte aus Sicht ihrer Kirche zu erklären.

„Wir sind ein ganz buntes Völkchen“, beschrieb Seydlitz seine ca. 500-köpfige Gemeinde. „Und wir streiten gerne“. Seine Kirche kenne keine Hierarchie und kaum Amtsstrukturen. Baptisten hätten keine Bekenntnisse, die für alle gültig seien. Jede Gemeinde könne auch Grundsatzentscheidungen wie die Anerkennung anderer Taufen, den Umgang mit Homosexuellen, die Stellung der Frau oder Fragen der Mitgliedschaft eigenständig klären. Grundlage sei nur die Bibel. „Baptisten denken auf Ortsebene, nicht auf Weltebene.“ Seine Kirche sei konservativ, aber ökumenefreundlich, sagte er. Zum Evangelium bekenne sich auch die Neuapostolische Kirche, erzählte Schulz. In Deutschland habe sie ca. 330.000 Mitglieder, ihre Struktur sei streng hierarchisch aber überwiegend ehrenamtlich strukturiert. Neuapostolen glauben an die baldige Wiederkehr Christi und daran, dass auch noch Verstorbene Sakramente wie z.B. die Taufe empfangen können.

In der anschließenden Andacht erläuterte Weihbischof Wilfried Theising sein Wahrheitsverständnis. Wahrheit sei kein abstrakter Gedanke, sondern mit Jesus eine Person. In der Eucharistie begegne er immer wieder Jesus Christus als Geschenk Gottes. Es freue ihn in der Ökumene, wenn wir sagen können: Er ist unsere gemeinsame Wahrheit: Jesus Christus.

Bei aller Verschiedenheit gebe es eine gemeinsame Grundlage, fasste Gabriele Lachner den Abend zusammen. Alle verbinde das Ziel, Gottes Wort in der Welt groß und vernehmbar zu machen. „Gott ist die Liebe und wir alle seine Kinder. Die Schöpfung ist seine Schöpfung und er schaut voller Barmherzigkeit auf seine Geschöpfe. Diese Wahrheit lasst uns nicht verdunkeln mit unserem Kleinklein, sondern zum Leuchten bringen“, forderte auch Spieker–Lauhöfer die Zuhörer auf.

Ludger Heuer

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