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05. Oktober 2020 - Bistum Münster, Rom

Für Geschwisterlichkeit und Solidarität

Bischof Genn zur Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus

„Die Enzyklika ‚Fratelli Tutti’ macht deutlich, dass es ein ‚Weiter so’ in unserer Welt nicht geben darf. Wir brauchen, und der Papst wird hier auch sehr konkret, eine neue Weltordnung, die von einer Haltung der Geschwisterlichkeit, der Solidarität und der Gerechtigkeit geprägt sein muss.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 4. Oktober in Münster betont. Bischof Genn äußerte sich im Blick auf die  Enzyklika „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die Soziale Freundschaft“, die Papst Franziskus am Samstag in Assisi unterzeichnet hat und die am Sonntag veröffentlicht wurde. Die Enzyklika befasst sich mit einer globalen Neuorientierung nach der Corona-Pandemie aus christlicher Sicht.

Portrait Bischof Genn

Bischof Genn zur Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus

In seiner ersten Stellungnahme zu der Enzyklika unterstreicht Bischof Genn: „Ich konnte den Text, der 170 Seiten umfasst, noch nicht in jedem Detail lesen. Papst Franziskus betont zu Beginn ausdrücklich, dass er sich mit der Enzyklika in der Tradition des heiligen Franz von Assisi sieht, dessen Fest die Kirche heute feiert. Die Grundintention und die zentralen Botschaften der Enzyklika entsprechen von daher auch dem, was der heilige Franz schon vor 800 Jahren verkündet und gelebt hat: Die Weltgemeinschaft braucht eine radikale Veränderung hin zur Geschwisterlichkeit, zu der wir aufgerufen sind. Niemand, kein Mensch, darf ausgegrenzt werden. Deshalb müssen wir uns gerade den Armen und Ausgeschlossenen zuwenden.
Kritiker könnten nun vorschnell sagen: Das ist alles nicht neu. Das mag stimmen, aber die Eindrücklichkeit und in vielen Fällen auch die Konkretisierung, mit der Papst Franziskus sich an uns wendet, ruft jede und jeden einzelnen von uns auf, seine Lebensweise und seine Haltung zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern.

Allein die Tatsache, dass sich Papst Franziskus zur Unterschrift der Enzyklika eigens nach Assisi, den Ort, wo der heilige Franz gelebt hat, begeben hat, ist für mich ein sprechendes Zeichen.
In unsere heutige Welt hinein macht der Papst zum Beispiel konkret deutlich: Jeder Mensch hat dieselbe Würde; unser Nächster ist ein Migrant; Nationalismus, grenzenloser Konsum, unbegrenzter Wirtschaftsliberalismus, eine Wegwerfgesellschaft, Krieg, Atomwaffen, die Todesstrafe, eine Politik der Abschottung von Migranten sowie Populismus gehören abgeschafft.

Es ist ein beeindruckender Text, der die christliche Botschaft der Nächstenliebe in konkrete Optionen einer Haltung der Hoffnung und eines Handelns in Geschwisterlichkeit und Solidarität übersetzt.
Ich möchte von meiner Seite aus besonders die Kapitel sechs und sieben empfehlen, weil sie uns auch helfen auf unserem ‚Synodalen Weg‘. Es geht darin um den Dialog als eine Kultur, die Freundschaft schafft und die auch ermöglicht, dass wir, selbst wenn es in Konflikten und Auseinandersetzungen Verwundungen gibt, trotzdem Wege der Heilung finden und Konflikte ohne Gewalt, auch ohne verbale Gewalt, lösen können.

Alle sind wir aufgerufen, auch die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche, diese Botschaften ernst nehmen und zu versuchen, sie wie der heilige Franz von Assisi umzusetzen in unser Leben. Dann wird eine andere Welt möglich sein. Und ich meine mit Papst Franziskus – deshalb sehe ich sein Engagement in einer solchen Leidenschaft: Es war vielleicht noch nie so notwendig wie heute.“