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08. April 2016 - Münster, Rom

Freude der Liebe

Bischof Genn zum nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus

Am 8. April ist in Rom unter dem Titel „Freude der Liebe“ („Amoris laetitia“) das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus veröffentlicht und vorgestellt worden. Es handelt sich um ein Schreiben des Papstes zur Bischofssynode über Ehe und Familie, die im Oktober 2015 in Rom stattgefunden hatte. Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat sich am 8. April in einer Stellungnahme zum Schreiben von Papst Franziskus geäußert. Im Folgenden dokumentieren wir den Text von Bischof Genn im Wortlaut:

Bischof Felix

Bischof Dr. Felix Genn äußert sich zum nachsynodalen Schreiben „Freude der Liebe“ („Amoris laetitia“).

„„Amoris Laetitia“ nimmt die Familien in ihrer Wirklichkeit ernst. Die Beschreibung der verschiedenen Konstellationen, mit ihren Stärken und Schwächen, ist keine Mängelliste.

„Amoris Laetitia“ ist ein pastorales Schreiben, welches uns dazu aufruft, Familien zu stärken. Papst Franziskus gibt uns ein starkes Votum für die Stärkung der Ehepastoral und für die Stärkung der Ehevorbereitung. Er unterstützt jedes einfühlsame, weise und pastorale Vorgehen, wie es Seelsorger immer wieder getan haben, ohne die Lehre zu verändern.

Jede Beziehung sucht danach, in Liebe zu wachsen. Für uns gilt es, dies immer mehr zu sehen und praktisch zu berücksichtigen. Der Papst ermuntert uns, immer mehr in ein vertrauensvolles Gespräch zu kommen, um gemeinsam einen Weg zu entdecken. „Keine Familie (ist) eine himmlische Wirklichkeit und ein für alle Mal gestaltet, sondern sie verlangt eine fortschreitende Reifung ihrer Liebesfähigkeit“ (AL 325). Handlungsprinzip der Kirche soll nicht

Trennung und Ausschluss sein, sondern Wachstum in Beziehung und Liebe. So ist Familie: Wachstum, Integration, Liebe und Beziehung. Franziskus lädt uns ein, auf ein Ideal hin zu leben und nicht vom Ideal her die Menschen zu beurteilen. Für das ‚Wie?‘ des Wachstums, gibt uns sein Schreiben wertvolle Hinweise.

„Amoris Laetitia“ ist kein einfaches Schreiben. Nicht der Text ist kompliziert, sondern die uns darin gestellte Aufgabe. Der Papst bittet uns, jedes Beziehungsgeflecht genau, mit Augen der Barmherzigkeit und mit dem Wunsch nach Wachstum, anzuschauen. Er erteilt allen einfachen Lösungen eine Absage. Die Grundgestalt der Familie ist in der Heiligen Schrift und der Tradition klar bezeugt. Die Bibel „ist bevölkert mit Familien, mit Generationen, sie ist voller Geschichten der Liebe wie auch der Familienkrisen.“ (AL 8): Das bedeutet Amoris laetitia: „Die Freude der Liebe!“.

Die Themen, die gerade in deutschsprachigen Ländern immer wieder besprochen werden, nämlich die Frage der Wiederverheiratung, der Zulassung zu den Sakramenten und die Frage zum Umgang mit homosexuellen Menschen, aber auch die Frage der Offenheit für Kinder, werden nicht ausgespart. Aber sie sind im Gesamtbild der Familie zu sehen. Das lange und einfühlsame Kapitel 8 beschäftigt sich mit diesen Fragen. Besonders die gescheiterten Beziehungen finden dort Berücksichtigung: „Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern“. Menschen möchten dazu gehören, zur Familie dazugehören. Es gibt im konkreten Leben selten ein Schwarz oder Weiß, ein Ja oder Nein. Aber es gibt den Wunsch und die Möglichkeit, in der Liebe und Treue zu wachsen.

Für mich ist es ein wichtiger Anstoß, dass Papst Franziskus unseren Blick weitet und nicht bei diesen Themen stehen bleibt. Er spricht von der Erziehung der Kinder, von einer besseren Vorbereitung der Paare und einer Begleitung in den ersten Ehejahren. Er spricht von einer Spiritualität der Ehe. Vielleicht ist das der wichtigste Anstoß in seinem Schreiben: Die Verwirklichung einer Spiritualität der Ehe. Ich empfehle dieses Schreiben allen Christen! Es ist nicht einfach, weil „Amoris Laetitia“ uns herausfordert: Die Hirten, die Eheleute, die Jugend, die Menschen, deren Beziehung gescheitert ist, die, die schon viele Jahrzehnte gemeinsam leben. Weil die Liebe kostbar ist, weil sie schön ist und Freude bringt, lohnt sich es, darum zu ringen. Wir alle wollen ein Wachstum in Liebe. Diese Schrift, so erscheint es mir, kann uns dabei helfen.“

Der Text des päpstlichen Schreibens findet sich im Internet unter: www.dbk.de.

Bischof Genn hat sich heute auch vor der Kamera zu dem Schreiben von Papst Franziskus geäußert. Über folgenden Link kommen Sie zu dem Video: youtu.be/A8eI2WLM-Rc.

pbm

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