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06. Januar 2023

Bischof Genn erlässt Auflagen für Pfarrer in Lindern

Unter Auflagen kann der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Katharina von Siena in Lindern in sein Amt zurückkehren. Der Pfarrer war zuvor im August 2022 wegen eines Vorwurfs betreffend grenzverletzenden Verhaltens im Jahr 2010 beurlaubt worden. 

Grund für die Beurlaubung war, dass einer Betroffenen aus dem Jahr 2010 im Frühjahr 2022 eine fünfstellige Anerkennungszahlung durch die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen zuerkannt worden war. Durch die wegen der Beurlaubung veranlassten Presseberichte kam es im September 2022 zu einer zweiten Meldung einer anderen betroffenen Person hinsichtlich grenzverletzenden Verhaltens durch den Priester. 

Die Untersuchungen haben zwar keine neuen Anhaltspunkte für straf- oder kirchenrechtliche Sanktionen ergeben. Trotzdem hat das Bistum im Zuge der Untersuchungen Erkenntnisse über das Verhalten des Pfarrers gewonnen. Dieses Verhalten widerspricht in beiden Fällen deutlich den Schutzpflichten eines Seelsorgers in vertraulichen seelsorgerlichen Beziehungen. 

Aufgrund dieses wiederholten Verhaltens kann sich Bischof Genn eine weitere Tätigkeit des Priesters als Pfarrer in Lindern nicht mehr vorstellen. Er hat den Priester deshalb mit Nachdruck zum Verzicht auf das Amt des Pfarrers aufgefordert. Auch die Beratungsgremien des Bischofs hatten ihm zu diesem Schritt geraten. Die Gremien der Pfarrei haben vor diesem Hintergrund und in Kenntnis der Sachlage mit deutlicher Mehrheit erklärt, nicht mehr vertrauensvoll mit dem Pfarrer zusammenarbeiten zu können. 

Da der Pfarrer sich trotz der ausdrücklichen Aufforderung des Bischofs zur Rückkehr in sein Amt entschieden hat, hat Bischof Genn Auflagen für den weiteren Dienst des Priesters erlassen. Demnach darf der Pfarrer vier Jahre lang keinerlei Einzelkontakt mit jungen Frauen bis zum Alter von 27 Jahren haben, weder im Pfarrhaus noch in sonstigen seelsorglichen Situationen der Gemeinde wie etwa bei Wallfahrten. Zudem übernimmt der Priester die Hälfte der im Frühjahr 2022 einer Frau zuerkannten fünfstelligen Anerkennungsleistung. Außerdem wird er verpflichtet, weiterhin regelmäßige Beratung in Anspruch zu nehmen. Diese Beratung wird von der Interventionsstelle des Bistums Münster begleitet.

Der gesamte Vorgang inklusive der beiden erwähnten Meldungen bezüglich grenzverletzenden Verhaltens wird jetzt an die zuständige Kommission im Vatikan weitergeleitet werden.

Der Zeitpunkt der Rückkehr des Priesters in sein Amt als Pfarrer wird noch mit den Gremien der Pfarrei geklärt.