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15. Juli 2019 - Rhede, Óbidos, Visbek

Aufbrechen zu den Menschen

Mit dem Krankenhaus-Schiff auf dem Amazonas unterwegs

„In der Amazonasregion ist die Gesundheitsversorgung nicht ausreichend. Mit einem Schiff können auch entlegene Gebiete erreicht werden. Und als Kirche sollen wir ja, wie es der Papst sagt, aufbrechen zu den Menschen.“ Das sagt die in Rhede aufgewachsene Franziskanerin und Ärztin Ruth Rottbeck. Die 46-Jährige freut sich, dass jetzt ein nach Papst Franziskus benanntes Krankenhausschiff auf dem Amazonas unterwegs ist. Am 6. Juli war die Schlüsselübergabe in Óbidos (Brasilien). Nach der offiziellen Einweihung in Belém Mitte August wird Schwester Ruth über den Amazonas zu Menschen fahren, die sonst keine Krankenversorgung haben.

Das Krankenhaus-Schiff

Das Krankenhaus-Schiff auf dem Amazonas

Sr. Ruth Rottbeck

Sr. Ruth Rottbeck

Vorausgegangen war beim Katholikentag 2018 ein Treffen mit dem aus Visbek stammenden Bischof von Óbidos, Johannes Bahlmann. Bahlmann, selbst Franziskaner, hatte die Franziskanerinnen von Siessen zuvor um Unterstützung für das Krankenhaus-Schiff gebeten. Und diese „Unterstützung“ stand ihm beim Katholikentag gegenüber: Schwester Ruth. Im Oktober machte sie sich ein Bild vor Ort. Ende 2018 gab sie ihre Stelle als Oberärztin für Gerontopsychatrie am Zentrum für Seelische Gesundheit in Stuttgart auf, um sich der neuen Aufgabe am Amazonas zu widmen.

„Dieses Schiff kommt meinen Möglichkeiten des Aufbruchs als Ärztin und Franziskanerin entgegen. Wir sind nicht nur als humanitäre Organisation unterwegs, sondern bewusst als Ordensleute und damit als Kirche“, erläutert sie. Anfang Februar hatte sich Schwester Ruth, die 2011 in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Siessen eingetreten war, nach Brasilien aufgemacht.

Dass sie nun diese neue Aufgabe hat, geht auf Papst Franziskus zurück. 2013 hatte er ein Krankenhaus der brasilianischen Gemeinschaft der Franziskaner der göttlichen Vorsehung in Rio de Janeiro besucht. Die Gemeinschaft kümmert sich vor allem um Kranke, Alte und Pflegebedürftige. Im Rahmen seines Besuches bat sie der Papst, sich der Menschen am Amazonas anzunehmen. Dieser Bitte nachkommend betreibt die Gemeinschaft inzwischen zwei Krankenhäuser in Óbidos und in Jurutí. „Doch wir erkannten schnell, dass für die Bevölkerung am Amazonas eine besondere Versorgung benötigt wird, die die Menschen auch erreicht“, sagt Bischof Bahlmann. Im Einsatzgebiet des Schiffes leben circa 700.000 Menschen in rund 1.000 Gemeinden. „Für sie ist das Erreichen der Krankenhäuser aufgrund der ständigen Überschwemmungen der Straßen und dem dann schwierigen und teuren Transport fast unmöglich“, erläutert Schwester Ruth. Bahlmann ergänzt: „Ein Schiff stellt die einzige Möglichkeit dar, die gesundheitliche Versorgung der Menschen rund um den Amazonas zu gewährleisten.“ Ziel des Projektes sei es, so erklärt Schwester Ruth, „sowohl die gesundheitliche Grundversorgung sicherzustellen als auch am Amazonas häufige Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und hier vorbeugend tätig zu werden.“

Das 32 Meter lange Krankenhaus-Schiff verfügt über Behandlungs- und Untersuchungszimmer u.a. für Zahn- und Augenheilkunde sowie über einen OP-Raum, ein Labor, Röntgen-, Mammographie-, Ultraschall- und EKG-Geräte sowie über Räume zur Medikamenten-Ausgabe. Zum medizinischen Personal gehören u.a. fünf Ordensleute, fünf weitere Ärzte, zwölf Krankenschwestern und Medizinisch-Technischen-Assistenten sowie weitere Hilfskräften. „Die Anfangsfinanzierung für den Bau des Schiffes stammt aus einer Strafzahlung, die Firmen aufgrund schwerwiegender Umweltverschmutzung und deren Folgen leisten mussten“, erläutert Sr. Ruth.  
 
Informationen: Wer das Projekt unterstützen möchte kann Spenden überweisen auf das Konto der Missionsprokur Kloster Siessen, Volksbank eG Bad Saulgau; IBAN: DE66 6509 3020 0360 3360 27; BIC: GENODES1SLG, Verwendungszweck: „Krankenhaus-Schiff“. In Kürze können auch Freiwillige auf dem Schiff mitarbeiten. Weitere Informationen unter www.klostersiessen.de.

Stephan Kronenburg

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