Bischöflich Münstersches Offizialat
Für die Katholische Kirche im Oldenburger Land

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Blick in einen Tempel

© Patrice Kunte

Religramme – Was wiegt Religion?

Dr. Gabriele Lachner

© Offizialat/Hörnemann

Dr. Gabriele Lachner ist Pastoralreferentin in Vechta

„Religramme“, so heißt die Ausstellung, die noch bis zum 15. September im Rathaus Vechta zu sehen ist. Jedes Mal, wenn ich den Titel der Ausstellung lese, denke ich an „Kilogramm“, an Gewicht. Eigentlich ist das gar keine unpassende Assoziation: Wie viel Gewicht hat Religion in meinem Leben? Ist das eine gewichtige Sache?

Aber vielleicht ist ja doch der Untertitel der Ausstellung noch sprechender: „Gesichter der Religionen“. Gesichter stehen für Menschen. Menschen, die ihre Religion leben, für die der Glaube (ge)wichtig ist. Menschen, die Gesicht zeigen, bringen mir ihre Religion nahe. All die Menschen, die hier portraitiert sind, leben in Niedersachsen.

Da ist z.B. die jüdische Musikerin, die sagt: „Wir sollten unterschiedlich bleiben, so wie Musiker; und gemeinsam etwas Großes machen.“ Ein alevitischer Lehrer erzählt, dass ihm das Wort „Ich bin ein Instrument, durch das die Liebe Gottes ertönt“ viel bedeutet. Und im Lesen denke ich an eines meiner christlichen Lieblingsgebete: „Bin ich eine Harfe in deiner Hand? Stimme mich auf deinen Ton, spielender Gott …“ – Die portraitierte Yezidin, bei Diepholz und Cloppenburg aufgewachsen, liebt die Feste und Rituale ihrer Religion, die ihr Geborgenheit geben. Sie schildert in dieser Ausstellung aber nicht nur ihren eigenen Glauben, sie betont auch: „Ich finde es traurig, wenn die Menschen nicht mehr wissen, warum Weihnachten gefeiert wird.“ Eine engagierte kolumbianische Christin beschreibt den Kulturschock, als sie nach Deutschland kam, und wie ihre Religion ihr geholfen hat, in der neuen niedersächsischen Heimat anzukommen. Und da ist der muslimische Rechtsanwalt, der die weltoffene Gesellschaft Niedersachsens so schätzt, und der aus seinem Glauben Kraft und Seelenfrieden schöpft. Ein jüdischer Sozialarbeiter betont, dass ihn an Religion v.a. interessiert, wie man Brücken zwischen Menschen und Generationen bauen kann: „Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für den Frieden“. Und schließlich die serbisch-orthodoxe Christin, die von Ikonen und Hausaltar erzählt und an ihrer Religion die Gemeinschaft liebt.

20 Frauen und Männer aus Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum und Yezidentum erzählen, was ihnen ihre Religion bedeutet. Wie sie ihre Religion hier in Niedersachsen erleben. – „Gesichter der Religionen“, das ist eine bunte, bewegende Ausstellung! Lohnt sich absolut!

Dr. Gabriele Lachner, Gedanken zum Sonntag, 28.08.2017