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27. Juli 2017 - Wilhelmshaven

Vom Verkauf zur Seelsorge

Dung Dinh-Päsler wird neue Pastoralassistentin in Wilhelmshaven

Thang Phuong Dung Dinh-Päsler (45) hat schon einen ungewöhnlichen Lebensweg hinter sich. 1971 im südvietnamesischen Saigon geboren gehört sie später zu den „Boat-People“, die in den 1970/80er Jahren vor dem kommunistischen System in Vietnam flüchteten. Ihre Familie hatte sich in Wilhelmshaven schnell wohlgefühlt und gut integriert. Jetzt lässt sich die gelernte Verkäuferin in der Katholischen Kirchengemeinde St. Willehad zur Seelsorgerin ausbilden.

Dung Dinh-Päsler

Dung Dinh-Päsler wird Pastoralassistentin in Wilhelmshaven.

Im Alter von acht Jahren flüchtete sie im Boot mit ihrem sechsjährigen Bruder über das offene Meer. Die Cap Anamur nahm sie auf, über Indonesien kamen sie 1980 nach Deutschland. Ein Onkel in Wallenhorst nahm die Geschwister auf. Ein Jahr später schafften auch ihre Eltern mit den anderen Geschwistern die Flucht. Die Familie kam nach Wilhelmshaven, wo sie in der Kirchengemeinde St. Ansgar herzliche Aufnahme fand und schnell Teil der Gemeinde wurde. „Wir Kinder waren Messdiener, erhielten dort unsere Erstkommunion und unsere Firmung. Seit dem 16. Jahrhundert gehört meine Familie dem katholischen Glauben an. Der Glaube und das christliche Leben waren immer Bestandteil unserer Erziehung“, erinnert sich Dinh Päsler.

Nach ihrem Abitur begann die inzwischen mit einem Deutschen verheiratete Frau ein Studium der interkulturellen Pädagogik in Oldenburg, beendete es aber vorzeitig wegen der Erziehung ihrer beiden kleinen Kinder. Doch neben der Kindererziehung absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete in den Folgejahren unter anderem im Asia-Shop Jade, in einem Call-Center oder im Textilhandel. 2009 übernahm sie Geschäftsführung des Asia-Shops.

Neben Familie und Arbeit engagierte sich Dung Dinh-Päsler auch in der kirchlichen Gemeindearbeit. 2006 wurde sie zweite Vorsitzende der damals neugeründeten vietnamesischen katholischen Gemeinde Phanxico Xavie. Als beratendes Mitglied saß sie für die vietnamesische und die polnische Gemeinde im Pfarreirat der Katholischen Kirchengemeinde St. Willehad, wurde Mitglied im Chor der vietnamesischen Gemeinde. „Die Gemeindearbeit hat mir stets Freude bereitet. Mein Glaube hat mir hier eine Heimat gegeben und ist Grundlage für mein Leben“, sagt sie.

Der Weg zur Seelsorge
Wie sie auf die Idee kam, Seelsorgerin zu werden? Dazu gab es mehrere Wege. Als langjährige Dolmetscherin bei Behörden und vor Gericht hat sie viele Schicksale mitbekommen. „Außerdem war der Asia-Shop ein Zentrum der Begegnung. Viele Kunden, insbesondere aus dem Ausland, haben mir hier ihre Probleme und Sorgen anvertraut.“ Das habe dem Geschäft einen besonderen Charakter verliehen. „Ich hegte schon lange den Wunsch, für die Kirche und Gemeinschaft tätig sein zu dürfen“, erklärt sie. Den endgültigen Anstoß für eine Tätigkeit als Pastoralreferentin gaben aber eine Pilgerfahrt zum bosnischen Medugorje und Gespräche mit Dechant Andreas Bolten.

Am 1.8. August beginnt Dung Dinh-Päsler ihre vierjährige Ausbildungszeit. Als Quereinsteigerin wird sie viel lernen müssen. Sie weiß, dass dabei viel Neues auf sie zukommt: das Theologiestudium im Fernkurs, regelmäßige Aufenthalte in Münster und praktische Erfahrungen vor Ort. Doch sie freut sich sehr auf die Zeit: „Die Ausbildung gibt mir die Möglichkeit, etwas zurückzugeben von der Hilfe und Herzlichkeit, die ich erfahren durfte. Außerdem habe ich so die Gelegenheit, meinen Glauben in der Tiefe zu erlebe.“

Ludger Heuer

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