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Schillig: Herrschaft über die Erde

11. Juli 2016 - Schillig, Nordsee

Katholische Kirche lädt zur Kunstausstellung „dominium terrae“ ans Wattenmeer

Am Sandstrand in Schillig offenbart sich der Konflikt der Kulturlandschaft Wattenmeer. Der Betrachter sieht den Zwiespalt zwischen dem schützenswerten Weltkulturerbe und der Nutzung durch Tourismus und Wirtschaft. Die Kulisse ist geprägt von Urlaubern, Strand, Wattenmeer auf der einen Seite und zahlreichen Öltankern, Kriegs- und Containerschiffen und den Großkränen des Jadeweserports auf der anderen. Vier internationale Künstler sind auf Initiative der katholischen Kirche ins Wangerland gekommen, um sich mit der Landschaft am Jadebusen und dieser Widersprüchlichkeit zu beschäftigen. Am Samstag (9. Juli) eröffneten Prälat Peter Kossen und Kurator Dr. Falk Wolf die Ausstellung „dominium terrae - Landschaft am Jadebusen“ auf dem Campingplatz Schillig. Bis zum 4. September kann sie besucht werden.

Eine Tattoo-Künstlerin malt ein Motiv. Großansicht öffnen

Tattoo-Künstlerin Sandra Müller aus Wilhelmshaven malt nach einem Entwurf von Bob Braine eine Luftaufnahme von Wangerooge auf den Körper eines Besuchers, die sichtbaren Seen sind Bombenkrater aus dem 2. Weltkrieg.

Drei Männer vor einem BauwagenGroßansicht öffnen

Vor dem Bauwagen zum Videoprojekt „Schlickschlacht in Schillig“ erläutert Kurator Falk Wolf (Mitte) Hubertus Aumann und Prälat Peter Kossen vom Bischöflich Münsterschen Offizialat die Ausstellung.

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Bob Braine fotografiert das fertige Werk, die Drucke sind in der Ausstellung zu besichtigen.

„Dominium terrae, das ist im lateinischen Bibeltext die Herrschaft über die Erde, der Auftrag an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen“, erläutert der Kurator.  Die Arbeiten eröffnen einen fragenden Blick auf die Landschaft, aber auch auf unseren Umgang mit ihr. Der Widerspruch zwischen Schutz und Nutzung präge den Raum, mache die Situation vor Ort aus. Die Künstler ließen sich auf die Küstenlandschaft ein und schafften vier Kunstprojekte, die jetzt in zwei Seecontainern, einem Bauwagen und einem Zelt in unmittelbarer Nähe zur Nordsee erlebt werden können.

„Künstler lassen sich nicht verzwecken“, sagte Prälat Kossen bei der Eröffnung. „Kunst hilft uns, die Wirklichkeit tiefer wahrzunehmen, Realität neu zu erfassen“, betonte er. Für Klara Hobza aus Berlin ist das Wattenmeer ein beständiger Kampf. In einem Bauwagen zeigt sie ihr Video Schlickschlacht zu Schillig. Darin lässt Hobza menschliche Darsteller im Watt zum Kampf antreten. Sie verbildliche damit den im Watt scheiternden Versuch des Menschen, sich die Erde Untertan zu machen, erklärte Wolf. Der Hamburger Landschaftskünstler und Mitkurator Till Krause möchte den Naturraum kulinarisch  erfahren  und lädt dazu ein, alles Sichtbare mit der Intention des Einverleibens zu betrachten.

Bob Braine initiierte eine Land-Wasser-Tattooserie um den menschlichen Wunsch nach Festlegung herauszufordern. Bei einem Flug über Watt und Region fand er die Motive und hielt Wasser, Prile, Straßen, Fahrrinnen und Bombentrichter in Momentaufnahmen fest. Besucher können sich samstags und montags seine Werke von Sandra Müller aus Wilhelmshaven mit Farbe auf den Körper malen oder nach Absprache tätowieren lassen. Die Ergebnisse werden als Fotos im Zelt gesammelt, später als Bildband veröffentlicht. Tue Greenfort hat eine Serie von Skulpturen mit Miesmuschelschalen geschaffen. „Die Miesmuschel zeigt die Spannung zwischen Ökologie und Ökonomie, sie wird industriell gefischt und gibt doch sensibel Hinweise auf Wasserqualität und ökologisches Gleichgewicht“, stellte Wolf fest.

Das Projekt des Bischöflich Münsterschen Offizialates in Vechta geht auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz zurück, die deutschlandweit mit dem Kunstprojekt Freude und Hoffnung, Trauer und Angst eingeladen hatte, das 50. Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils künstlerisch umzusetzen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche Wangerland, der Wangerland Touristik GmbH und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer realisiert. Gefördert wird das Projekt von der Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien, der EWE Stiftung und der Stiftung Darlehnskasse Münster.

Die Ausstellung auf dem Campingplatz Schillig ist Freitag bis Dienstag von 11-13 Uhr und von 15-18 Uhr und nach Vereinbarung zu besichtigen. Vor Ort ist Günther Dupuis, ein Hamburger Original Ansprechpartner für in der Ausstellung.  http://www.gflk.de

Johannes Hörnemann