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07. Januar 2018 - Vechta

Gott macht seine Liebe nicht von Taten abhängig

Weihbischof feiert Gottesdienst in Frauen-JVA

Es war der erste Gottesdienst für Weihbischof Wilfried Theising in der Klosterkirche, die auch Kirche der Frauen-Justizvollzugsanstalt ist. Am Tag der Taufe Jesu, dem offiziellen Ende der Weihnachtszeit, war er gekommen, um mit einigen Dutzend inhaftierten Frauen die hl. Messe zu feiern. Mit dabei war auch eine Frauengruppe der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) aus Löningen unter Leitung von Pastoralreferentin Dagmar Haake. Den inhaftierten Frauen hatten sie für den anschließenden gemeinsamen Kaffee Plätzchen und Süßigkeiten und auch Wolle und Stricknadeln mitgebracht.

Gruppenbild in JVA-Kirche mit Weihbischof

v.l. Elisabeth Rolf, Diakon Walter Rolf, Pastoralreferentin Josefine May, Weihbischof Wilfried Theising und die stellvertretende Anstaltsleiterin Petra Huckemeyer.

„Wer möchte nachher zur Kommunion gehen“, fragte JVA-Seelsorgerin Josefine May vor Beginn der Messe die Inhaftierten. Welche Konfession die Frauen haben, ist ihnen selbst nicht immer bekannt. „Einige wissen nicht einmal, ob sie getauft sind“, hatte Diakon Walter Rolf, der die Messfeier mit seiner Frau Elisabeth musikalisch begleitete, vorab gesagt. Keine der Frauen - auch die nicht, die sich beim Betreten der Kirche bekreuzigt hatten - hob dann auch die Hand.

„Ich bin schon einmal in der JVA gewesen“, sagte Theising. „Jedoch nicht in dieser schönen Kirche. Es sind ja auch so viele Türen, die man immer aufschließen muss.“ Die Taufe Jesu, die an diesem Tag gefeiert würde, sei ein Symbol für die Liebe Gottes zu den Menschen, erklärte der Weihbischof den Frauen. Jesus hätte sich nicht taufen lassen müssen, doch damit zeige er seine Solidarität mit den Menschen. Er selbst habe als Priester mehrfach in Gefängnissen Taufen vorgenommen. Das sei immer ein ganz besonderer Moment gewesen.

Aus jedem Gottesdienst müsse man ein gutes Wort mitnehmen, sagte Theising. Heute ginge es im Evangelium um den geliebten Sohn, das könne man aber auch als die geliebte Tochter lesen. „Ich weiß nicht, warum Sie hier einsitzen, aber auch Sie werden sich fragen: wer liebt mich und wie geht es mit mir weiter, wenn ich hier raus komme“, sprach er die Frauen direkt an. „Gott hat Gefallen an jeden von uns und liebt uns alle. Er macht seine Liebe nicht davon abhängig, was wir getan haben“, versicherte er ihnen. Daher könnten sie sich auch an finsteren Tagen in der JVA – die es übrigens auch für Menschen gebe, die in Freiheit lebten – sicher sein, dass sie eine geliebte Tochter Gottes und ein Ebenbild Gottes seien.

Dass der Weihbischof damit die Seele der Frauen getroffen hatte, zeigten die anschließenden Fürbitten der Frauen. Sie handelten vom Wunsch nach Liebe, Wärme und Zuneigung. Und zur Kommunion kamen dann doch einige. Wenn auch ein wenig unsicher. „Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zum Gottesdienst“, sagte Theising nach dem Schlusssegen. „Ich komme gerne wieder.“ „Immer wieder gern“, entgegnete Josefine May.

Ludger Heuer

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