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09. Januar 2016 - Vechta

Beziehungen und Kontakte zu Flüchtlingen aufbauen

Weihbischof ruft bei Neujahrsempfang zu Willkommenskultur auf

Einen klaren Appell zur Integration von Flüchtlingen formulierte Weihbischof Heinrich Timmerevers heute vor ca. 150 Gästen aus Kirche und Politik, Verbänden und Behörden beim Neujahrsempfang im St. Antoniushaus. Er zeigte sich überzeugt, dass die Herausforderungen, die die Aufnahme so vieler Flüchtlinge mit sich bringen würden, zu meistern seien. Eine deutliche Abfuhr erteilte er Demagogen und politischen Hetzern.

© Offizialat/Hörnemann

Weihbischof Heinrich Timmerevers begrüßte jeden Gast persönlich mit Handschlag.

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Begriffe wie froh und friedvoll, wie sie zum Jahreswechsel oft zu hören seien, seien angesichts von Krisen, Kriegen und Gewalt leider nicht passend, begann Timmerevers seine  Ansprache.  Ca. 60 Millionen Menschen, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit, seien weltweit auf der Flucht. Die ca. eine Million Flüchtlinge, die Deutschland im letzten Jahr erreicht hätten, seien eine große Herausforderung und es werde lange Zeit und viel Kraft brauchen, um diese Situation zu meistern. Doch „dabei unterstütze ich ausdrücklich die Position unserer Bundeskanzlerin: „Wir schaffen das!“, betonte Timmerevers.
 
Er sei der Kanzlerin dankbar, dass sie diese Haltung trotz mancher Widerstände durchtrage. Es sei ein klares Bekenntnis zu unseren freiheitlichen und christlich geprägten Grundwerten und unserer Verfassung. „Ebenso will ich aber auch nicht verhehlen, dass ich den mitunter kalten und scharfen Wind aus dem politischen Bayern wenig hilfreich finde“, sagte Timmerevers. Konstruktive Debatten um die bestmöglichen Wege seien gut, Polarisierungen nützten hingegen nicht.

Der Weihbischof wandte sich deutlich gegen Demagogen und Hetzer, die Sorgen und Ängste der Menschen ausnutzen, um Hass zu säen. Perfides Gedankengut mit rassistischen und hetzerischen Äußerungen, wie sie vor allem in sozialen Medien immer wieder zu finden seine, beinhalte Fremdenfeindlichkeit, Beleidigungen und sogar Aufforderungen zu Straftaten. „All das erinnert an vergangene böse und dunkle Zeiten in Deutschland.“ „Lassen wir uns unsere freiheitlichen Werte, unseren Rechtsstaat und den zerbrechlichen sozialen Frieden nicht kaputt machen“, rief er die Zuhörer auf.

Für eine Integration müsse die anonyme Masse der Menschen aufgebrochen werden. „Dann verlieren pauschale Urteile ihre Kraft, Unkenntnis schwindet, Not bekommt ein konkretes Gesicht und Hilfe wird motiviert.“ Timmerevers skizzierte dazu die fünf Jahre lange Fluchtgeschichte einer jungen Somalierin, die seit 2013 mit ihrem vierjährigen Sohn im Oldenburger Land lebt. Ihre neunjährige Tochter musste sie bei ihrer Mutter in Somalia lassen. Radikale Islamisten hatten ihren Ehemann umgebracht. Die Wünsche der stark traumatisierten Frau: „Sie möchte in Sicherheit leben, keine Angst mehr haben müssen, die deutsche Sprache lernen und arbeiten. Sie möchte einfach nur keine Angst haben.“ Ein zweites Beispiel erzählte Timmerevers von seinem Frisör, der zwei Syrer eingestellt habe und mit ihrer Arbeit und Integration sehr zufrieden sei. Auch bei den Kunden habe sich etwas verändert. In Gegenwart der beiden Syrer sprächen sie anders über Geflüchtete und übten, mit ihnen zu sprechen. „Da bauen beide Seiten Vorbehalte und Prägungen ab.“

Zur Integration gehöre gegenseitiger Respekt, Vertrauen, das miteinander sprechen, die Aufnahme von Fremden als Gäste, das sich Annähern und das Einbinden in Arbeit. Daher rief er seine Zuhörer auf, die konkrete Begegnung mit Menschen auf der Flucht zu suchen. „Lernen Sie einander kennen, lassen Sie Beziehungen und Kontakte zu.“ Unzählige Menschen in unserer Region mühten sich jetzt schon, diese Schritte zu gehen. „Dafür kann ich gar nicht genug danken“, schloss Timmerevers.

Ludger Heuer


Den vollständigen Text der Ansprache und weitere Fotos s.u.