Bischöflich Münstersches Offizialat
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31. Dezember 2017 - Vechta

aufHören

Unruhe. Ein Wort, welches ich mit dem zu Ende gehenden Jahr verbinde. Blicke ich auf die Welt, unser Land und auch auf mich – es war ein unruhiges Jahr. Sei es die amerikanische Präsidentschaft, das Verhalten des Machthabers in Nordkorea, der Nahe Osten, Wetterextreme, Terror oder der zunehmend salonfähige Populismus -  es ist unruhiger geworden. Nicht zuletzt haben die Wahlen in Bund und Land mitunter für unruhige Verhältnisse gesorgt und auch mein erstes Amtsjahr als Bischöflicher Offizial war aufgrund der Fülle an Aufgaben und Terminen alles andere als beschaulich.

Weihbischof Theising

Weihbischof Wilfried Theising

Nun ist vielleicht der Jahreswechsel nicht gerade die Zeit, in der viele zur Ruhe kommen. Und ich habe nichts dagegen, wenn an Silvester in froher Stimmung gefeiert wird. Doch stimmt mich der Rückblick nachdenklich. Sicher ist, dass auch vergangene Zeiten immer wieder turbulent waren. Mir scheint jedoch, dass wir in einer Phase leben, in der Unruhe auf vielen Ebenen die vorherrschende Befindlichkeit ist.

Nun ist Unruhe ja nicht per se ein negativer Zustand. Etwas Aufwühlendes und Aufregendes kann durchaus kreative Kräfte in uns mobilisieren und etwas Neues hervorbringen. Die Unruhe, die ich jedoch beobachte, ist eher eine nervöse. Sie wird gespeist von politischen Egoismen, von Trends mit kurzer Halbwertszeit oder Maßlosigkeiten in Wort und Tat. Das alles führt letztlich in Ängste hinein, die neue Unruhe produzieren.

Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass der notwendige Gegenpol mehr zum Tragen kommt: Ruhe! Sie macht es möglich, dass Eindrücke sich setzen. Ruhe führt zu mehr Sachlichkeit, führt in die Tiefe. Sie hilft, das Ganze und die Zusammenhänge besser zu sehen und zu verstehen. Ruhe bedeutet nicht tatenlos zu sein, sondern Ruhe bedeutet aufHören.

Im AufHören steckt eine Haltung. Wer aufHört, stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern ist offen für Andere und Anderes. Wer in aufHörender Haltung lebt, hat es nicht nötig, populistisch zu verunglimpfen und sich als Stimmungsmacher zu profilieren. Der in Ruhe AufHörende verliert sich nicht in Geschäftigkeit und Oberflächlichkeit. Er differenziert, denkt nach, wägt ab. Wer aufHört, bekommt letztlich ein klareres Bild von sich selbst.

Als glaubender Christ bin ich mit dem Kirchenlehrer Augustinus überzeugt, dass die Sehnsucht unseres unruhigen Herzens Gott ist. „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir“ – so der Hl. Augustinus.

Ich wünsche uns allen in diesem Sinne ein ruhiges Jahr 2018!

Wilfried Theising
Bischöflicher Offizial und Weihbischof

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